Complete String Quartets

Ludwig van Beethoven - Complete String Quartets

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Beethovens Schwanengesang
Der Ungar Sándor Végh gehört als Geiger wie als Dirigent zu den ganz Großen des 20. Jahrhunderts - obwohl ihn fast keiner mehr kennt. Seine Beethoven-Quartette aus den 70er Jahren sind mit das sublimste, was sich auf CD finden läßt.

Sándor Végh wurde 1912 im siebenbürgischen Klausenburg geboren. Er spielte in jungen Jahren noch die Uraufführung von Béla Bartóks 5. Streichquartett und musizierte seit den 30er Jahren mit Legenden wie dem Dirigenten Wilhelm Furtwängler und dem Cellisten Pablo Casals.

Als Soloviolinist, Quartettmusiker und später als Dirigent war er Teil der heute fast verlorenenen deutschen Musiktradition und einer der wenigen, die diese Qualität bis in unsere Zeit lebendig praktiziert haben. "Deutsch" meint hier nicht irgendetwas nationales oder sonstwie politisches, sondern vielmehr eine von diesen Künstlern praktizierte Haltung und Einstellung der Musik gegenüber, die von philosophischer Tiefe und Durchdringung, gleichzeitig aber von einer ganz unintellektuellen, demütigen und poetischen Hingabe ans Sujet geprägt war. Sándor Végh starb 1997 in Salzburg, wo er bis zuletzt als musikalischer Leiter der Camerata Academica tätig war.

Große Vergeistigung und expressiver Mut zur Häßlichkeit dominieren Beethovens finale Streichquartette, die nach der monumentalen 9. Sinfonie am Ende seines musikalischen Weges standen. Der fast taube Komponist hörte nur noch seine innere Stimme und hatte sich bereits so weit von der Welt verabschiedet, daß er ihr ungebremst und rein ihren Willen lassen konnte. Er scherte sich nicht mehr um hergebrachte Satzstrukturen und eigentlich auch nicht mehr um die Gesetze der Tonalität. Damit nahm er in seinen letzten Quartetten im Alleingang Entwicklungen der Moderne lange vorweg. Im letzten Quartett, op. 135, kam nach den teilweise monumentalen Architekturen von op. 130 und 132 noch eine radikale, jenseitliche Vereinfachung hinzu, die gerade im Hinblick auf Beethovens nahen Tod prophetisch wirkt. Vor allem den langsamen Satz, unser Hörbeispiel, beschreibt das oft vorschnell verwendete Wort vom Schwanengesang, vom Abgesang, einfach am treffendsten.

Nicht oft finden sich in der Klassik auf CD die größten Werke in einer wahrhaft definitiven Einspielung, also musiziert von den besten Interpreten auf der Höhe ihres Könnens und aufgenommen in hervorragender Klangqualität. Auf diese Box mit sämtlichen Streichquartetten Beethovens, gespielt vom Végh Quartett, aber trifft das ohne Einschränkung zu.

8 CDs, ca 525 Minuten

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