Klaviersonaten

Ludwig van Beethoven - Klaviersonaten

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Romantischer Realismus

"Hammerklavier" und "Pathétique" gehören zu berühmtesten und wichtigsten Klaviersonaten Beethovens. Was nicht unbedingt heißt, daß sie auch populär sind. Obwohl es sich um reine und unbestritten große Musik handelt, stehen ihr mächtige Ideologien im Weg.

Einspielungen und Konzertaufführungen beider Werke sind relativ selten. Liegt das am heute vorherrschenden Skeptizismus in der Musikrezeption? Der französische Pianist François-Frédéric Guy gehört zu den wenigen, die sich heute noch trauen, Beethovens Wucht ohne jede dekonstruktivistische Brechung Musik werden lassen. Seltsamerweise wirken seine universalen Schöpfungen nur so wirklich, die ironische und anti-romantische Herangehensweise à la Brendel oder Gardiner läßt sie meist schal und leer erscheinen. Ihr Gefühlsgehalt, ihr Sinn für Tragik und Größe muß anscheinend ganz unzeitgemäß ernst genommen werden - denn Skeptizismus und Sinn für düstere Realität sind bei Beethoven ohnehin im Übermaß vorhanden.

Die Introduktion der “Pathétique”, unser Hörbeispiel, mit der Beethoven 1799 so selbstbewußt zeigte, was er sich unter “seiner” Tonart c-Moll vorstellt, ist so eine große, gewichtige Geste, theatralisch und wirkungsbedacht. Für Ludwig van Beethoven war c-Moll, die Tonart vieler Schlüsselwerke, wie etwa der 5. Sinfonie, immer das Klangschema grimmiger, titanischer Entschlossenheit. Das beinhaltet bei ihm neben Zorn und oftmals blanker Dämonie aber auch immer ein extremes Maß an Romantik, das heute nur schwer zu kommunizieren ist. In dieser Tonart komponierte Musik ist bei ihm stets wild und aufwühlend, sie drückt den Kampf gegen das innere und weltliche Chaos aus, aber damit ist bei Beethoven die musikalische Reise lange nicht zu Ende.

Was ihn von den anderen Großmeistern des Dämonischen in der Kunst, Dostojewski und Goya, unterscheidet: Solche Stücke sind zu 4/5 besessen von diesem scheinbar hoffnungslosen Kampf gegen die stumpfe und graue Realität. Die Schattenseiten unseres Daseins gestaltet Beethoven ohne jede Gnade oder Wärme. Doch als philosophischer Künstler glaubt er an den schlußendlichen Sieg des prometheischen Menschen und findet entsprechend immer einen Weg durch die Nacht ins Licht einer strahlenden Coda. In Beethovens Musik einigen sich kraft seines Genies die blanke Wirklichkeit und höchste menschliche Ideale als logische Konsequenz aus tiefster Empfindung und schärfsten Konflikten.

1 CD, ca. 73 Minuten

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