Cover Lumineers - Cleopatra

The Lumineers - Cleopatra

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herausragend
Milch und Honig

Egal ob Indie- oder Mainstream-Medium: The Lumineers erwischte die mediale Keule 2012 mit voller Wucht. Das war in der Form nicht zu erwarten. Ähnlich dürfte es aber mit ihrem zweiten Album "Cleopatra" laufen, das Freitag erscheint. Zu hören gibt es gewohnte, leicht verdauliche Kost.

Wen es vor vier Jahren nicht in die vollkommene Isolation, den Weltraum oder etwaige Paralleluniversen gezogen hat, der kam an der Folk-Kombo The Lumineers nur sehr schwer vorbei. "Hey, Ho" lief erst in der hierzulande leider viel zu unbekannten Serie "Hart of Dixie" und danach in sämtlichen Radiostationen der Welt. Kein Medium, egal ob Print, Online, Radio oder TV kam an der etwas schüchternen aber dennoch recht sympathischen Band vorbei. Und wie Amerikaner so sind, standen sie geduldig jedem Rede und Antwort, der sie ausfragte. 

Das selbst betitelte Debüt chartet 2013 in den TOP 20 in Deutschland, klettert in den USA sogar auf Platz zwei. Kein Wunder also, dass der Medienrummel um Wesley Schultz, Neyla Pekarek und Jeremiah Fraites auch 2016 ungebrochen ist. Songs wie "Ho, Hey" oder "Stubborn Love" sind noch heute gern gesehene Tracks auf allen Radioplaylisten und fest im musikalischen Langzeitgedächtnis verwurzelt. 

Quick-Date mit The Lumineers aus 2012

Auf "Cleopatra" verarbeiten The Lumineers zum Teil alte Soundfetzen ("Long Way From Home"), die im Zuge anderer Veröffentlichungen keinen Platz fanden sowie über die Jahre entstandene musikalische Kurztrips. Die erste Single aus dem zweiten Longplayer ist "Ophelia", eine Folknummer nach gängigem Muster, hier werden weder Risiken noch Experimente eingegangen. Gewohnte Kost um den leicht reizbaren Magen der Stammhörerschaft nicht schon mit dem ersten Vorgeschmack zu überfordern.

Fluffig, leicht beschwingt und gut gelaunt, das ist der Eindruck den The Lumineers beim ersten Durchhören vermitteln. Beim genaueren Blick auf die Texte schluchzt man dann schon aber ab und an. "Gun Song" handelt zwar nicht von der allgemeinen Diskussion um Waffenrechte in den USA, dennoch ist so ein Teil im Zentrum der Geschichte und basiert auf einer wahren Begebenheit. Der Titelsong "Cleopatra" ist einer Denver' Taxifahrerin gewidmet, die scheinbar so einen mächtigen Eindruck hinterlassen hat, dass ihr der Albumtitel gewidmet wurde. Der "Gale Song" basiert auf einen Charakter aus The Hunger Games ("Die Tribute von Panem") und huldigt der Geduldigkeit, Genügsamkeit, der Rücksicht und Opferbereitschaft des Filmcharakters. Warum erzählt man hier aber so viel über die Inhalte der Songs, über die kleinen stakkatohaften Geschichten und nicht über den Sound?! 

Ganz einfach: Musikalisch gibt es da nicht viel zu erzählen. Der Folkpop auf "Cleopatra" überrascht nicht, ist eingängig und bisweilen sogar etwas monoton. Der Fokus liegt auf dem, was erzählt wird. So schön diese Stories sind, so unaufregend sind diese teilweise aufbereitet. Hier mal eine schöne Pianoline, da das behutsam und doch selbstbewusste Violinenspiel von Neyla Pekarek. Aber das gab es so auch schon alles auf dem Debüt.  

Der Song "Angela" bricht da ein wenig aus der Reihe. Direkt im Studio entstanden ist es wohl der fragilste, roheste und ursprünglichste Song auf "Cleopatra" und in seiner Verletzlichkeit einer, der durchaus zu gefallen weiß und heraus sticht. 

Die große Folk-Welle ist zwar leicht abgebbt, das wird dem Erfolg von The Lumineers aber keinen Abbruch tun. Und irgendwie ist es ja auch ab und an schön, wenn man weiß, was einen erwartet. "Cleopatra" ist kein Feuerwerk an Innovationen, das Album tut nicht weh, muss es aber auch nicht. Die Texte wissen zu fesseln, des aufmerksamen Ohrs eines jeden Fans dürfen sich die Drei sicher sein. Und an einem lauen Sommerabend darf das zweite Album der Folk-Popper gern das ein oder andere mal den Weg in den Player finden.

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