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Mastodon - Emperor Of Sand

Mastodon - Emperor Of Sand

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Monströs, melodiös, Mastodon

Auch Gevatter Tod kann Mastodon nicht ihrer Qualität berauben. "Emperor Of Sand" ist die musikgewordene Umarmung eines missverstandenen Ungetüms, grazil und grobschlächtig zugleich.

Es gibt diese Bands, die Songs unabhängig voneinander schreiben, sie wahllos durcheinander würfeln und die lieblose Zusammenstellung dann Album nennen - und es gibt Mastodon. Die glorreichen Vertreter des progressiven Stoner-Sludge-Doom-Metal - als ob es da Konkurrenz gäbe - befassen sich auf ihrem neuesten Werk mit dem übergeordneten Motiv Sand. Nachdem sie bereits die Elemente Erde, Feuer, Luft und Wasser auf Albumlänge durchschüttelten und sich anschließend in den Weltraum wagten, wird es jetzt also thematisch wieder handfester.

Mastodon - Sultan's Curse

Dabei steht das Sediment freilich nicht nur stellvertretend für das nicht sonderlich lebensfreundliche Klima in der Wüste, sondern vor allem als Symbol für die Zeit. Die vier Bandmitglieder mussten sich in der jüngeren Vergangenheit mit dem Thema Tod oder Vergänglichkeit auseinandersetzen, als geliebte Familienmitglieder mit Krebs diagnostiziert wurden und diesen Kampf teilweise verloren. Die Frage "Wie lange habe ich noch?" setzt allen Betroffenen eine imaginäre Sanduhr in den Kopf und diese rieselt unerbittlich.

Mastodon machen aus den einschneidenden Erlebnissen das, was sie am besten können: ein kraftvolles, wütendes und nachdenkliches Konzeptalbum mit tiefen Einblicken in die persönlichen Befindlichkeiten. Dass es in einer Phase, in welcher man sich mit seinem Schmerz vielleicht am ehesten abschotten möchte, zu den am einfachsten zugänglichen Strukturen und Melodien der Bandgeschichte kommt, ist wohl doch der musikalisch umgesetzte Wunsch nach Gesellschaft.

Mastodon können mit ihren monströsen Riffgewittern eben nicht nur verstören, sondern ebenso gut ihre massigen Songkörper zu einer tröstenden Umarmung öffnen wie "Roots Remain", "Ancient Kingdom" und "Clandestiny" beweisen. Wie poppig Mastodon zudem werden können, zeigt vor allem die Single "Show Yourself". Ihren Humor haben sie laut Video auch trotz der vielen Schicksalsschläge offenbar nicht verloren.

Mastodon - Show Yourself

Jeder Track hat seinen eigenen kleinen Gänsehautmoment, besondere Songs herauszupicken wäre nicht gerecht. Dennoch müssen vor allem "Steambreather" und "Jaguar God", der achtminütige Ritt in die Einsamkeit am Ende des Albums, Erwähnung finden, denn in diesen beiden Stücken manifestieren sich drei Thesen, welche Mastodon von anderen Bands unterscheiden: Kompromisslosigkeit und Eingängigkeit können prächtig harmonieren, unüberwindbare Soundwände und emotionale Zerbrechlichkeit schließen sich nicht aus und Brann Dailor ist einer der begnadetsten Schlagzeuger unserer Zeit.

Die Zweifel, ob Mastodon ihre bisherigen Husarenstücke weiterführen können, zerschlagen sich also auch nach dem Hörgenuss von "Emperor Of Sand" einmal mehr. Die erhöhte Eingängigkeit darf auf der emotionalen Reise durch Sand und Staub nur eine Randnotiz sein und ist keineswegs ein Indikator für Qualitätsverlust. Mastodon sind auch auf ihrem siebten Studioalbum nicht unkreativer, langweiliger oder antriebsloser und zimmern weiter akribisch an ihrem eigenen Denkmal.

"Emperor Of Sand" von Mastodon erscheint am 31. März 2017 via Reprise Records (Warner).

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