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The Power of Failing

Mineral - The Power of Failing

Redaktionswertung: 
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Als Emo noch nicht Gitarrengewinsel war

Seit irgendwann 2001 besitzen Pappnasen mit 08/15-Popmelodien und etwas lauteren Gitarren die Dreistigkeit, ihren halbgaren Schnickschnack als irgendwie emotional zu bezeichnen. Aber weil ich selbst so schrecklich Emo bin, kann ich sie nicht verhauen.

Am Ende sind wahrscheinlich doch Jimmy Eat World schuld. Keine andere der bekannteren Bands des Emo-Genres hat den Popanteil in ihren Songs derart hochgeschraubt, ohne belanglos zu werden. Aber dann dachten sich alle "Das kann ich auch" - und machten sich prompt daran, das Gegenteil zu beweisen. Und nun steht man da, von allen Bühnen singen junge Burschen schöne Melodien zu verzerrten Gitarren und hoffen, dass sie mehr als sagenwirmal fünf Mädchen bemerken. Ein bisschen Auswahl auf der Suche nach Liebe ist nichts schlechtes und Notgeilheit ja auch eine Art Emotion. Nicht-wissen-wohin-mit-seinem-Piephahn und Verzweiflung sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Und während die Piephahnfraktion die Welt überschwemmt, lernt man andere Lieder neu kennen. Neu schätzen. Lieder, in denen Gefühl kein Allgemeinplatz ist. In denen alltägliche Niederlagen zu Weinkrämpfen führen und in denen bei kleinen Freuden nicht mit der Heiterkeitsfahne gewedelt wird. Wo sich Melodien nicht durch Gitarrenwände und -gärten, brachial oder schwebend, quälen, weil man das halt so macht, sondern weil für Zurückhaltung kein Platz ist, wenn Trauer und Wut zu Liedern werden. Man nehme Far für die Wände, man nehme Mineral für die Gärten. Man bedanke sich und ziehe sich zurück. (sc)

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