Mussorgsky/ Tschaikowsky

Modest Mussorgsky - Mussorgsky/ Tschaikowsky

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Genies und Außenseiter
Tschaikowsky und Mussorgsky sind ohne Frage die beiden größten russischen Komponisten. Beide bewegen sich zwischen Romantik und Moderne. Damit sind ihre Ähnlichkeiten nicht zu Ende, wie ein Blick auf die Headline zeigt.

Ihre Musik aber ist radikal verschieden. So radikal verschieden, wie sie jeweils genuin russisch ist. Das klingt zwar selbstverständlich, ist es aber bei weitem nicht, wie etwa eine Blick auf den Stil von Rimsky-Korssakov zeigt, der sich, wie bei einem Großteil der kulturellen Elite Russlands damals üblich, stark an westlichen Vorbildern zu orientieren pflegte.

Beide Komponisten setzten ihre durchaus im Sinne Dostojewskis typischen russischen Seelenlandschaften in düstere und gewaltige Musik um. Von Mussorgsky, einem fast-Autodidakten, behaupten bis heute einige Musikwissenschaftler, daß man anhand seiner guten und schlechten Passagen haarklein unterscheiden könne, wann er betrunken gewesen sei und wann nicht. Zudem war er ein übler Spieler, jähzornig, und ein Weiberheld.
Tschaikowskys innere Konflikte resultierten aus Einsamkeit und einem himmelschreienden Schuldkomplex, der sich um seine uneingestandene und gesellschaftlich auch uneingestehbare Homosexualität drehte.

Schön an der CD ist, daß mit Tschaikowskys winterlich-herber Vierter Sinfonie und der weltberühmten Mussorgsky-Tondichtung "Bilder einer Ausstellung" in der klassischen, von Maurice Ravel eingerichteten Orchesterfassung, zwei absolute Hauptwerke kombiniert worden sind. Die "Bilder" sind tatsächlich von Gemälden eines mit Mussorgsky befreundeten Malers inspiriert und im Orginal für Klavier komponiert. Die minutiöse Orchesterfassung ist aber mindestens ebenso beeindruckend. Daraus gibt es im Hörbeispiel "Il vecchio castello" zu hören, ein geisterhaft-elegisches Stück, zu dem man sich durchaus vorstellen kann, in der Abenddämmerung eine verfallene Burgruine zu erkunden.

Der aus Ossetien stammende Tugan Sokhiev gilt als eine der ganz großen Nachwuchshoffnungen der internationalen Dirigentenszene. Mit gerade mal 28 Jahren hat er sich bereits weltweit als Gastdirigent bedeutender Orchester etabliert. Am St. Petersburger Mariinsky-Theater, einem der bedeutensten Opernhäuser der Welt, leitet er regelmäßig spektakuläre Neuproduktionen. Seit kurzem ist er Chefdirigent in Toulouse.

1 CD, ca. 77 Minuten

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