Moop Mama - M.O.O.P.topia

Moop Mama - M.O.O.P.topia

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Gebläse mit Mittelfinger

Urban Brass is back! Moop Mama marschieren mit Pauken und Trompeten in "M.O.O.P.topia" ein und präsentieren einen Sommersoundtrack mit knallharter Position und reflektierten Aussagen. 

Nachdem Rapper Keno letztes Jahr auf Solo-Pfaden wandelte, steht 2016 wieder ganz im Zeichen seiner zehnköpfigen Marching-Band Moop Mama. Auf ihrem dritten Studioalbum "M.O.O.P.topia" klingen Moop Mama runder und selbstbewusster als je zuvor. Auch auf den ersten beiden Alben gelang das Experiment aus Bläsern, Percussion und Rap schon bravourös, nun ist der Sound noch einheitlicher und perfekt aufeinander abgestimmt. Damit liefern sie den Soundtrack des Sommers, der allerdings keineswegs thematisch seicht daherkommt, sondern politisch, kritisch und mit erhobendem Mittelfinger.

Moop Mama - Lösch das Internet

Die erste Single "Lösch das Internet" appelliert radikal und augenzwinkernd an die Internetgesellschaft mit all ihren Facetten. Egal, ob anonyme Hater, Verschwörungstheoretiker oder Trauernde mit gefärbten Profilbildern, Moop Mama stellt die Oberflächlichkeit und Sinnlosigkeit so mancher User bloß. "Mein Profil, meine Seite, mein Blog - kein Ziel, keine Meinung, kein Bock".

Einen lässigen Seitenhieb findet man im Grunde in jedem Moop Mama-Song, dafür sind die Jungs zu reflektiert. Auch die zweite Single "Die Erfindung des Rades" glänzt mit tanzbarem Bläser-Unterbau und durchdachtem Text. Keno und seine Gang radeln halt lieber durch den Park, als mit der überdimensionalen Familienkutsche auf Parkplatzjagd zu gehen. Eine wunderschöne Ode an den Drahtesel mit toller One-Take-Choreo im Video.

Moop Mama - Die Erfindung des Rades

Wen Moop Mama alles scheiße findet, kann man sich im gemeinsamen Song mit Jan Delay zu Gemüte führen. "Alle Kinder" funktioniert im Stile der bekannten Alle-Kinder-Witze, nur dass einem hier ab und zu das Lachen im Halse stecken bleibt. Sätze wie "Alle Kinder lieben einfach, wen sie wollen - außer Pete, der ist Katholik" oder "Alle Kinder mögen alle Kinder - außer Lisa, die mag Pegida" glücken dennoch auf dem beschwingtem Sound und unterstreichen so die Stärke Moop Mamas: die Verbindung von tanzbarer Musik und eindeutigen Aussagen.

Ähnlich stark sind "Geburtstag", "Über den Dingen" und "Prokrastination", welches das Thema musikalisch mit einem sehr langen Intro perfekt unterstreicht. Auch die weiteren Feature-Gäste Megaloh, Blumentopf und Flo Mega überzeugen, auch wenn Moop Mama mit ihrem unverwechselbaren Sound ein Alleinstellungsmerkmal haben, welches von anderen Künstlern gar nicht in dieser Art und Weise bearbeitet werden kann.

Einen allerersten Einblick in das Album und eines der Highlights präsentierten Moop Mama bereits Ende letzten Jahres mit einem Live-Video aus dem Proberaum zu "Meermenschen". Offenbar mussten sie die wichtige Message um Mittelmeer und Menschlichkeit damals schon unbedingt loswerden, nun gibt es das gute Stück auch als Albumversion. Vielleicht das bedrückendste, aber schönste Stück zur Flüchtlingsthematik: "Es kommen immer mehr Menschen her, ein Heer von Meermenschen / doch hier heißt es, wir brauchen keine Menschen mehr, keine Meermenschen / und wenn ich spät nachts von der Arbeit komme, sind die Straßen menschenleer / und draußen tobt das Menschenmeer."

Moop Mama - Meermenschen (Live im Proberaum)

Kurzum: starkes Album, starke Musik, starke Atmosphäre, starke Aussagen. Punkt. Das letzte Wort gebührt Keno: "Was wäre, wenn die Meermenschen nicht mehr nur Meermenschen wären, sondern nur mehr Menschen?"

Download & Stream: 

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