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Post Human Love

Nemo - Post Human Love

Redaktionswertung: 
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Lieder für hungrige Herzen

Nemo liefern den Beweis, dass es noch Brit-Bands gibt, die keine Angst vor Experimenten haben. Statt ewig gleichen Indiesounds spielen die vier Londoner mit einem Mix aus Punk, Rock und Neo-Wave.

Stell dir einen weiß gekachelten Raum vor, vielleicht ein Krankenhauszimmer oder eine Schlachtbank. Du bist allein, fröstelst, alles um dich herum ist vollkommen steril und der Wahnsinn nicht weit entfernt. Doch dann ertönt ein Riff, wie es sich Ian Curtis nicht besser hätte ausdenken können, und eine wundervolle Melodie trägt dich davon, raus aus dem kalten Raum, und packt dich ein in quietschendsüße dickbauschige Zuckerwatte. Die Melodie kommt aus dem Mund von Nemo-Sänger James Cook. Der hypnotische Blick und die abgeklärt arrogante Stimme geben ihm die Aura eines modernen Vampirs – ohne Reißzähne und Cape, versteht sich. „Destroy your idols“ bellt Cook in einem Song und du fühlst es wieder: Du bist fünfzehn und dein wütendes Herz schreit nach Aufstand und Rebellion. Vor dir liegen wilde Zeiten - tiefe Abgründe und unglaubliche Höhenflüge.

Mit Anleihen an Depeche Mode, Joy Division, Kraftwerk und The Clash haben die vier Londoner einen Sound geschaffen, der sägt, schnarrt, peitscht und sich trotzdem in den Ohrwindungen festsetzt wie Kalk in der Dusche. Rock, Punk, Pop, Industrial, New Wave, Elektro – alles in einem Song zusammen geklatscht. Ein bisschen viel, sollte man meinen, doch die Summe der Teile ergibt ein rundes Ganzes. „Post Human Love“ heißt Nemos Debütalbum, das durch deine Venen rauscht, wie eine unerfüllte Sehnsucht. Du willst, dass es weiter geht und weiter, und dann ist es plötzlich vorbei. Doch Mist, du bist schon angefixt.

Julia Wilczok / Tonspion.de

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