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Neonschwarz - Metropolis

Neonschwarz - Metropolis

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Wühlen für Perlen

"Ach, die mit der Rapperin", dürften viele Kids sagen, wenn sie von Neonschwarz reden. Das ist eben das Offensichtliche, was die Gruppe von anderen Deutschrap-Acts momentan unterscheidet.

"Rap ist klug, Rap ist wie Schach nur ohne Würfel". Diese Line aus der Single "Dies Das Ananas" bringt die Musik von Neonschwarz eigentlich perfekt auf den Punkt. Die Gruppe um die MC's Captain Gibs, Johnny Mauser und Marie Curry und den DJ Spion Y präsentieren intelligente und witzige Zeilen, dekonstruieren sie aber oft selbst im nächsten Schritt. Das kann unterhalten, oft stellen sie sich damit aber selbst unter den Scheffel.

Prägnant für den Sound ist neben der Mischung aus frischen Beats und alternativen E-Gitarren vor allem die Stimme von Marie Curry. Weibliche MC's sind eh Mangelware, als Teil einer ansonsten männlichen Hip-Hop-Gruppe findet man sie noch seltener. Marie Curry dominiert als Counterpart viele Songs von Neonschwarz, sodass viele Kids die Gruppe mit den Worten "Ach, die mit der Rapperin" beschreiben dürften. Wie wichtig sie für Neonschwarz ist, zeigt die Single "Check Yo'Self", auf welcher sie zwar nur für den geshouteten Refrain verantwortlich ist, aber damit eben den Song ausmacht.

Auf "Kennenlernrunde" und "Drahtesel" bekommt man Einblicke in die Vergangenheit und Gruppendynamik von Neonschwarz. Dies sind auch die Momente, in denen man sich der Gang gerne auf dem Fahrrad anschließen würde, um mit ihnen Hamburg unsicher zu machen. Und abends endet die Tour mit einer astreinen – auch wenn es sich dabei um einen von Alkoholproleten geliebten und damit sehr verabscheuungswürdigen Begriff handelt – "Eskalation".

Neonschwarz können aber auch Ernst, Kritik und Storytelling, wie "Kinder aus Asbest" beweist. Auf "2015" rechnen sie zudem mit Rassisten und den tatenlosen Zuschauern rechter Demos ab und geben couragierten Gegendemonstranten und Antifaschisten eine Hymne, die ihrem weit links positionierten Label Audiolith sehr gut gefallen dürfte: "Wer stand bereit, als der Mob getobt hat / wer blieb gelähmt durch die eigene Ohnmacht / wer kompensierte durch Helfen die Wut / es ist 2015, genug ist genug".

Zwischen den 17 Tracks befinden sich aber eben leider auch ein paar Ausfälle. Der Titelsong "Metropolis" fängt an wie ein Stück von Macklemore & Ryan Lewis und flacht dann in einen unbedeutenden Sing-Sang ab, was so leider das ganze Album ein wenig schlechter erscheinen lässt, als es tatsächlich ist. Mit "Jogginghosentag" und "Küstenfieber" sind dann aber auch wieder sehr smoothe Hip-Hop-Nicker eingestreut.

So muss man sich ein bisschen durch die große Anzahl an Songs wühlen, um die Perlen zu finden, die definitiv da sind. Eigentlich ist es ja nur gutzuheißen, dass es noch Bands gibt, die nicht nur 11 Lieder auf ihr Album packen und dafür knapp 20€ verlangen, bei "Metropolis" wäre für den Gesamteindruck der Platte allerdings tatsächlich weniger mehr gewesen.

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