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Opeth - Sorceress

Opeth - Sorceress

Redaktionswertung: 
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Erfrischend eigensinnig

Viele Opeth-Fans kommen mit dem Stilwechsel ihrer Death-Metal-Helden immer noch nicht klar. Auch wenn „Sorceress“ den Vergraulten ein bisschen entgegenkommt, bleibt kein Platz für Engstirnigkeit. Und das ist gut so.

Fünf Jahre ist der Stilwechsel Opeths vom progressiven Death Metal zum Retro-Prog-Rock schon her und immer noch beschäftigt die Fans bei der Ankündigung einer neuen Platte die Frage, ob Goldkehlchen Mikael Åkerfeldt wohl doch wieder growlen wird. Das tut er natürlich auch auf „Sorceress“ nicht, dennoch könnte die Platte einige gebrochene Metal-Herzen wieder flicken.

Denn auch wenn Åkerfeldt seine Stimmbänder nicht mehr malträtiert, arbeiten Opeth wieder etwas energischer an ihren Instrumenten. „Chrysalis“ hätte sich gut und gerne auch unbemerkt auf „Ghost Reveries“ verstecken können, auch wenn das Orgel-Solo vielleicht damals ein wenig irritiert hätte. Die Zartheit, die Opeth während der letzten Jahre zum Leitthema auserkoren hat, steht nicht mehr derart überwältigend im Vordergrund, ist aber das träumerische Salz in der proggigen Groove-Suppe. Bestes Beispiel: The Wilde Flowers.

Opeth - The Wilde Flowers

Die Stärke Opeths lag schon immer in berührenden Melodien, welche die komplexen Strukturen ihrer Überlängensongs auflockern und zumindest in Teilen begreifbar machen. Zu ihren härtesten Zeiten schickten sie düster-tiefe oder verzerrte Tonfolgen direkt vom Griffbrett ins Herz des Hörers, zuletzt lag der Fokus mehr auf Akustik-Gitarre, Hammond-Orgel und Streichereinsätzen. Auf „Sorceress“ beschreiten Opeth einen Mittelweg, der abwechselnd mit dunklen Verlockungen und hoffnungsvollen Optionen gesäumt ist.

Opeth-Fans wissen längst, dass den Schweden nur wenige Bands musikalisch das Wasser reichen können. Mit dem orientalisch-angehauchten "The Seventh Sojourn" oder dem dynamischen Hit-Kandidaten "Era" beweisen sie auch hier wieder ihre Ausnahmestellung. Wenn Stakkato-Riffs auf träumerische Piano-Melodien und jazzige 70ies-Orgel-Experimente auf treibende Metal-Passagen treffen - und das auch noch stimmig klingt -, kann es nur Opeth sein. Verschnaufpausen wie das akustische "Will O The Wisp" machen den wilden Ritt umso schöner.

Opeth - Will O The Wisp

Opeth zeigen also auf "Sorceress" einmal mehr ihre schier unerschöpfliche Kreativität und Eigensinnigkeit. Sie bleiben immer in Bewegung, sind kaum greifbar und überraschen stets mit neuen Ideen. Und auch wenn sich viele Fans nach einer Wiederbelebung der dunklen Phase mit Glanzstücken wie "Blackwater Park" sehnen, sollte man sich bei jedem Lebenszeichen der Schweden freuen. Musiker wie es Opeth sind, gibt es nämlich nicht mehr viele.

"Sorceress" von Opeth erscheint am 30. September 2016 via Nuclear Blast.

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Opeth live (Foto: Andreas Machl)

Bilderstrecke: Opeth live in München

Fotos und Setlist des Konzerts in der Theaterfabrik
Am 12. November 2016 machten Opeth auf ihrer Tour Halt in München und begeisterten die Theaterfabrik mit einer perfekt gemischten Setlist. Wir haben die Bilder. (Fotos: Andreas Machl / tonspion.de)

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