Let England Shake

PJ Harvey - Let England Shake

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Eine Klasse für sich

Für ihr achtes Album verlässt sich PJ Harvey einmal mehr auf drei Konstanten: John Parish, Mick Harvey und Flood. Mit diesen Musikern arbeitet sie nun schon seit über 15 Jahren erfolgreich zusammen, nun auch auf "Let England Shake".

Als PJ Harvey ihr Debüt "Dry" 1992 auf dem kleinen Londoner Label Too Pure veröffentlichte, war es einer dieser ganz seltenen und besonderen Momente: man legt ein Album ein und wird in eine bisher unbekannte Welt entführt, die einen fesselt und fasziniert und nicht mehr loslässt. Die damals Anfang Zwanzigjährige hatte etwas geschafft, woran viele Musiker scheitern. Die rohe Zerbrechlichkeit ihrer Songs und ihrer Stimme schufen eine Intimität und gleichzeitig eine Distanz zum Hörer. Sie wollte nicht einfach gefallen, sondern sich und ihre Fans konfrontieren mit Gefühlen, Ängsten und unheimlichen Gedanken, die eigentlich nur mit Musik erträglich sind.

Nun legt sie mit "Let England Shake" wieder so ein verstörendes Werk vor, das sich der einfachen Kategorisierung entzieht. In einer alten Kirche auf einem Kliff in ihrer Heimat Dorset mit Blick aufs Meer aufgenommen, begibt sie sich in eine düstere, fremdartige Welt, in der nichts auf festem Fundament steht, sondern ständig in Bewegung ist. Kein Wunder, beschäftigt sie sich in ihren Texten mit den großen Problemen der Menschheit, von Krieg und Zerstörung bis hin zu den zwischenmenschlichen Dramen des Privaten - bei PJ Harvey hängt alles mit allem zusammen. Hinter jeder einfachen Melodie, hinter jedem Akkord lauert ein Abgrund in der Welt von PJ Harvey, das hat sich auch in den vielen Jahren seit ihrem Debüt kaum verändert.

Viele betrachten sie als weibliches Pendant zu Nick Cave, mit dem sie schon 1996 für dessen "Murder Ballads" zusammen gearbeitet hatte. Doch PJ Harvey ist ein Unikat. Kaum ein anderer Künstler schafft es, eine derartige Intensität zu erzeugen, wie die 41-jährige Britin. Und dass auch ihr neues Album wieder einmal mehrere Durchläufe braucht, bis man es in vollem Umfang entdeckt hat, spricht nicht etwa gegen sie, sondern für ihre Klasse.

PJ Harveys Album "Let England Shake" wurde dieses Jahr übrigens mit dem renommierten Mercury Prize für das beste Album des Jahres ausgezeichnet. 

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