Preoccupations / "Preoccupations"

Preoccupations - Preoccupations

Label: 
Redaktionswertung: 
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Punktlandung

So manche Band ist schon an Druck, Streit und Skandalen zerbrochen. Was Preoccupations aus Kanada in dieser Hinsicht erlebt haben, würde wohl für zwei Leben reichen. Sie bleiben trotzdem optimistisch und dank des neuen Albums haben sie auch allen Grund dazu: nichts wird ihren Siegeszug jetzt noch aufhalten.

Das Quartett aus der Olympia-Stadt Calgary hat bereits eine bewegte Geschichte. Alles begann 2007 mit der Art-Rock Formation Women, deren Gitarrist Christopher Reimer mit gerade einmal 26 Jahren völlig überraschend im Schlaf an einem Herzfehler verstarb. Den Schock hat die Band nie überwunden, man trennte sich und Sänger Matt Flegel gründete gemeinsam mit Drummer Mike Wallace die Nachfolgeband Viet Cong.

Dem ebenso schwer verdaulichen wie grandiosen Debüt im Januar 2015 und der Über-Single „Continental Shelf“ folgte ein nervenzehrendes Auf und Ab: Überschwängliches Lob und harte Kritik wechselten sich ab, Hauptangriffsfläche bot der provokante Bandname. Während der reißerischen Debatte um (unhaltbare) Vorwürfe von Rassismus und Gewaltverherrlichung kam es sogar zu Absagen bereits ausverkaufter Shows, so dass die Band Ende 2015 bekannt gab, als Konsequenz auf die heftigen Reaktionen ihren Namen zu ändern.

Ob man nun vor Kritikern zurückweichen sollte, denen Form vor Inhalt geht, muss jeder selbst beurteilen. Aus Sicht einer erschöpften und völlig überforderten Band erscheint dieser Schritt jedoch logisch.

Also alles auf Anfang? Nicht ganz, denn der Erfolg des selbstbetitelten Debüts verschwindet natürlich nicht mit einem Namen. Er ist Fluch und Segen zugleich, beschert er doch die volle Aufmerksamkeit von Fans und Rezensenten - ebenso wie einen gewaltigen Druck im Hinblick auf das ohnehin schon sprichwörtlich schwierige zweite Album.

Dieses ist nun erschienen und trägt mit „Preoccupations“ erneut nur den Bandnamen als Titel. Inhaltlich hat sich nichts geändert, Sound und Themen sind nach wie vor düster und wurzeln eindeutig in den 80ern. Die Kanadier spielen ihren Mix aus Post-Punk und Rock überaus konsequent und bewahren sich ihren Lo-Fi-Charme trotz bester Produktionsbedingungen ganz bewußt, indem sie einen Teil der im heimischen Keller aufgenommenen Demo-Spuren per overdubbing auf das fertige Album hinüber gerettet haben.  

An die Stelle der brachialen Gitarrenfront aus Viet Cong-Zeiten treten nun die Synthies. Das wirkt im ersten Moment etwas gezähmt, doch „Zodiac“ oder „Degraded“ lassen diesen Eindruck ganz schnell wieder verschwinden. Preoccupations präsentieren ihren Post-Punk als zickige Schwester des Shoegaze, wütend, dissonant und nervös. Dass dies ein gutes, bisweilen sogar Pop-infiziertes Songwriting keinesfalls ausschließt, belegt besonders das wunderbare „Monotony“.

Die Band gibt sich zugänglicher, gönnt sich und dem Hörer mehr Freiheiten. Das Spektrum der Referenzen hat sich drastisch erweitert - man denkt zwar auch diesmal wieder unwillkürlich an Interpol (oder auch gleich an Joy Division), an Suicide und Bauhaus. Aber auch an Savages, Swans oder Ought. Der Sound ist also nicht gerade bunter geworden, aber deutlich offener.

Auch das zweite Album ist sperrig, eigensinnig, widerspenstig - und absolut unwiderstehlich! Die Band liefert nach 2015 nun auch 2016 eines der wirklich herausragenden Alben des Jahres und untermauert den guten Ruf: Preoccupations sind eine der zur Zeit besten Bands der Szene und wer die Chance hat, sie live zu sehen, sollte diese unter keinen Umständen verpassen. 

"Preoccupations" erscheint am 16.9.2016 über Jagjaguwar.

Live:

15.11.16 - Molotow - Hamburg
16.11.16 - Bi Nuu - Berlin
28.11.16 - Luxor - Köln

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