Das Artwork von Rag'n'Bones "Human

Rag'n'Bone Man - Human

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Mit dem Song “Human” brachte Rag’n’Bone Man den Blues zurück in die Single Charts und versprach mehr Diversität und weniger Konsens im Pop-Olymp. Ein Versprechen, das sein Debüt leider nicht ganz halten kann.

Ok, was erwarten wir von einer Platte, die heißt, wie einer der größten Radiohits der letzten Monate? Erwarten wir Edginess? Erwarten wir eine Revolution? Erwarten wir rohe Ehrlichkeit und Eindringlichkeit? Im Falle vom viel tätowierten Underdog Rag’n’Bone Man tun wir das, ja. Und vielleicht ist das das einzige Problem seines Debüts.

Ohne Frage ist Rory Graham – so heißt der Mann im wahren Leben – seit seinem “plötzlichen Erscheinen” eine Bereicherung in der sonst eher wässrigen Suppe namens Radioprogramm. Eine unerwartete Note, die trotzdem irgendwie noch zum Gesamtkonzept passt. Eigentlich genial. Wäre da nicht dieses schlummernde Potential.

Denn diese Platte könnte brutal sein. Brutal in ihrer Ehrlichkeit, brutal in ihrer Direktheit, und vor allem brutal in ihrer Intensität. Graham könnte mit seiner Stimme Wände einreißen, die Kinnladen eines jeden Blues- und Hip-Hop-Fans unwiderruflich aufspringen lassen. Er könnte die Traurigkeit seiner Texte mit einer Eindinglichkeit und Vehemenz präsentieren, wie es nur wenige Künstler können und die zur Zeit einmalig wäre – gerade im Radio. 

Aber all das tut er leider nicht. Oder zumindest nur selten. Zu oft wird die gewaltige Stimme, der der rauschebärtige Riese mächtig ist, gezähmt. Sie wird zwischen satten Streichern und guten, alten, bewährten Produktionsmethoden eingelullt, formalisiert und für den Massenmarkt leicht verdaulich präsentiert.

In Interviews erzählt der Rag’n’Bone Man, dass er genau das wollte. Zusammen mit dem Songwriter Jamie Hartmann hat Rory Graham auf “Human” diesen weichen und mainstream-kompatiblen Sound angestrebt. Ganz unabhängig vom Einfluss des Majors dahinter, wie ihm wichtig ist. Schließlich hat er schon Jahre lang seine rohe Seite präsentiert. Und zwar nur mit mäßigem Erfolg.

Allein dafür, wie gut dieser Plan aufgegangen ist, muss man Graham also definitiv Respekt zollen. Trotzdem wird schnell klar, dass der 12 Song Epos namens “Human” immer dann am besten ist, wenn der Sänger einfach gerade raus abliefert und ehrlich sagt “I’m only human after all”. 

Denn immer wenn die Streicher etwas gekappt werden; der Reverb zurückdreht; das Studio im Hintergrund verblasst, dann hört man, wie Rory Graham am Klavier sitzt und diese Songs schreibt. In all ihrer Traurigkeit, Wichtigkeit und Schönheit.

Verlosung

Wir verlosen zwei Exemplare von "Human" auf feinstem Vinyl. Zur Teilnahme am Gewinnspiel, schickt uns doch einfach hier ein Mail mit der Kategorie "Verlosung" und dem Betreff "Human". Teilnahmeschluss ist am 15.10.2017 um 20:00 Uhr. Viel Glück!

Download & Stream: 

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