The Widow Blades

Reigns - The Widow Blades

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Das englische Duo Reigns veröffentlicht keine Alben. Reigns veröffentlichen Ideen, Geschichten, Konzepte. Ihre reizvoll-zurückhaltende Musik, überwiegend instrumental und meist voller Absicht zwischen Kammermusik, Postrock und Elektrozärtelei verlaufen, ist da fast nur Begleiterscheinung.

"The Widow Blades" spielt die Musik zur Geschichte einer 1978 in südenglischen Schneestürmen spurlos verschwundenen Frau. Die beiden Mitglieder von Reigns, so heißt es, haben versucht, ihre letzten Stunden nachzuvollziehen. Sie haben Orte besucht, an denen sie zuletzt gesehen wurde, mit Menschen geredet, die ihr begegnet waren, haben Geräusche und Gespräche aufgenommen und sich schließlich selbst fast im Schneesturm verlaufen.

"The Widow Blades" ist auch, wie die Alben zuvor und das Auftreten der Band selbst, eine Aufforderung und ein Test: Wie weit ist man bereit, Zweifel und Unglauben an den Nagel zu hängen, sich auf Geschichten und Bilder einzulassen? Wie leicht fällt es dir, dem Teil von dir zu widerstehen, der die dargereichten Details und Namen in Suchmaschinenfelder eingegeben sehen will? Wie wichtig ist es dir, zu wissen, wer hinter den "Operatives A & B" genannten Bandmitgliedern steckt?

Schließlich und von all dem abgesehen ist "The Widow Blades" auch noch ein leises und reizvolles Album, das Klangoriginale, Strombeats, Thrillerelemente und Postrockstandards in einen anmutsvollen Reigen bringt. Reigns formulieren Skizzen aus, deuten Lieder an, schwanken zwischen düsterem Folksong und Klangfluss. Hier und dort lockert die Band den Griff um die Konzentration ihrer Hörer. Kopf, Körper und Aufmerksamkeit wandern und vergessen die Musik, die doch so nebenher wie eindringlich weiter ihre Stimmung prägt - wie ein Kaminfeuer, wie ein Herzmonitor, wie die Kälte, in der die Witwe Blades verschwand.

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