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Schwarz-Schilling: Orchestral Works

Reinhard Schwarz-Schilling - Schwarz-Schilling: Orchestral Works

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Klassische Moderne ohne Atonalität

Auch nach dem zweiten Weltkrieg, als die meisten Komponisten sich der Zwölfton-Ideologie verschrieben, konnte man auf dem Fundament der Tonalität noch hochinteressante Orchestermusik komponieren, wie die Werke Reinhard Schwarz-Schillings beweisen.

Reinhard Schwarz-Schilling (1905-1985) studierte ab 1922 Musik in Köln, München und Italien. Ab 1938 lehrte er an der Musikhochschule in Berlin. Nach dem 2. Weltkrieg, den er bis auf seine Einberufung in ein Musikkorps kurz vor Kriegsende und daraus resultierende kurzzeitige Kriegsgefangenschaft unbeschadet überstand, widmete er sich dem Nachlaß seines Lehrers Heinrich Kaminski, der in Nazideutschland mit Aufführungsverbot belegt war. Leitbild seiner eigenen kompositorischen Tätigkeit war zeitlebens die Musik Johann Sebastian Bachs.

Sein Lehrer Kaminski hatte eine eigene Schule in der Tradition der Komponistenline Bach-Beethoven-Bruckner begründet, der Schwarz-Schilling angehörte. Nach dem 2. Weltkrieg war er allerdings als einziger Kaminski-Schüler übriggeblieben. Der abstrakt-expressionistische Mainstream, der nach dem Krieg auch über die europäische Musik für Jahrzehnte die Deutungshoheit erlangte, ließ Schwarz-Schilling wenig Raum für Erfolge. Er verfolgte dennoch seine tonale Linie eisern weiter und komponierte in einem Stil, der vielleicht am ehesten an Sibelius erinnnert.

Unser Hörbeispiel, der 1. Satz seines orchestralen Hauptwerkes, der "Symphonie in C-Dur" von 1963, liefert ein beredtes Beispiel dafür ab, das es sehr wohl in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch möglich war, diesseits der atonalen Bewegung Musik zu schaffen, die ebenso beeindruckend wie auch sinnstiftend und originell ausfallen konnte.

1 CD, ca. 66 Minuten