Take Her Up To Monto

Roisin Murphy - Take Her Up To Monto

Label: 
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Working Mom

Ihr letztes Album wurde von der Kritik frenetisch gefeiert und für den Mercury Prize nominiert. Viele Fans jedoch waren irritiert. Erfreulich schnell legt sie nun Ihr neues Album vor und erfüllt damit alle Hoffnungen und Befürchtungen zugleich. Je nachdem, wen man fragt.

Roísín Murphy bringt ein neues Album heraus. Aufatmen. Zwischen Album Nummer 2 und 3 ließ die schöne Irin dank zweier Babypausen satte 8 Jahre verstreichen, diesmal jedoch ist sie gut im Flow und reicht umgehend Album Nummer 4 nach.

„Take Her Up To Monto“ ist eine Zeile aus einem irischen Sauflied, eine Hommage an den ehemaligen Dubliner Rotlichtbezirk rund um die Montgomery Street, die dem Viertel den Spitznamen Monto gab. Bei Murphys daheim ging es offenbar recht locker zu: Roísín kennt den Song aus Kindertagen, vorgesungen vom Papa.

Das Unkonventionelle ist ihr zum Glück bis heute geblieben. Die von Kritikern geschätzte und von Fans beinah kultisch verehrte Musikerin gilt als unberechenbar, ihre wilden Bühnenshows und bizarren Outfits sind ebenso legendär wie ihr schräger Humor. Zugeständnisse an ihre Branche und Wiederholungen sind entsprechend nicht ihr Ding.

Schon „Hairless Toys“ vom letzten Jahr entzog sich gängigen Mustern des Pop, und auch diesmal ist Veränderung die einzige Konstante. Das neue Album gleicht in Tempo und Experimentierfreude seinem Vorgänger, doch die Songs sind vergleichsweise zugänglich geraten. Betonung natürlich auf „vergleichsweise“.

Das neue Album knüpft dort an, wo das letzte aufhört. Beats, Stimme, Lyrics - die Zutaten sind bekannt, doch Murphy mixt daraus schon lange keinen gewöhnlichen Pop mehr: „Pretty Gardens“ oder „Nervous Sleep“ sind daher eher als Avantgarde zu bezeichnen, unspielbar im Radio - und im Club.

Die von vielen Fans sehnsüchtig erwartete Rückkehr auf den Dancefloor scheint in unerreichbare Ferne gerückt. Zwar blitzen immer wieder vertraute Elemente auf, die die traditionsreiche Liebesgeschichte zwischen Murphy und der Clubkultur belegen. Mehr als Reminiszenzen sind aber auch diesmal nicht drin.

Schade ist das jedoch nur dann, wenn man Musik als Mittel zum Zweck und den Künstler als Lieferanten betrachtet. Murphy ist eben nicht Moloko. Alten Zeiten und daraus resultierenden Erwartungen ist sie längst entwachsen, die künstlerische Vision der Roísín Murphy ist viel zu groß für das enge Korsett aus Genre-Grenzen und den seichten Anforderungen des Mainstream.

Wie einst schon Björk hat sich auch Murphy endgültig von allem befreit, was sie limitiert. Dieser Prozeß findet hier seinen vorläufigen Höhepunkt: „Take Her Up To Monto“ ist ein mutiges und riskantes Album, frei von Hits aber auch frei von Fehlern. Es braucht den Club einfach nicht mehr. Vielleicht wird Roísín Murphy irgendwann mal wieder zu ihren Wurzeln zurückkehren, wer weiß. Darauf warten sollte man aber besser nicht. Wozu auch? The Time Is Now.

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