Plastic Love

Say Yes Dog - Plastic Love

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Zum Standard einfallsloser Interviews gehört die Frage "Steher oder Tänzer?". Für die Musik heißt das: ist das was für den Kopf oder die Beine? Wie schön, wenn man sich mal nicht entscheiden muss.

Say Yes Dog - drei Worte, drei Männer, drei Länder. Zwei Deutsche und ein Luxemburger machen in den Niederlanden gemeinsame Sache und den Beginn ihrer Geschichte könnte sich keine Promoagentur besser ausdenken.

Drei Freunde wollen zum Fusion Festival, das ist bereits ausverkauft und was macht man, wenn man keine Tickets mehr bekommt? Man gründet schnell eine Band, schickt ein Demo und bewirbt sich einfach als Programmpunkt.

Das machen zahlreiche Musiker jedes Jahr, die meisten vergeblich. Unsere Protagonisten schickten "Get it", bekamen den Zuschlag waren plötzlich keine Zuschauer mehr sondern Performer.

Diese gern erzählte Anekdote ist Beleg für etwas, das Say Yes Dog auszeichnet: Zielstrebigkeit einerseits, charmante "Das klappt schon irgendwie"-Moral andererseits.So erschien die lange Wartezeit zwischen der ersten EP (2013) und dem jetzt erscheinenden Longplayer etwas ungeschickt in Zeiten täglich wechselnder Hypes.

Doch dahinter verbarg sich der lobenswerte Wille, erstmal ausgiebig zu touren, Erfahrungen zu sammeln und dann etwas wirklich solides abzuliefern. Erste Randnotiz: das hat geklappt.

In sanftem Midtempo eröffnet "Talk" ein erstaunlich souveränes Debüt, dem man weder Ort noch Zeit seiner Entstehung anhört. Klassischer Synthiepop inklusive entsprechender 80er-Zitate (z.B. bei "Girlfriend" aus Grauzones "Eisbär") treffen auf House und Jazz, vereinzelt lassen sich Funk und (contemporary) R'n'B erahnen.

Doch es ist der Pop, der alles zusammenhält und es ist der Dancefloor, auf den alles hinausläuft.

"Plastik" wärmt auf, "A Friend" kassiert. Trickreiche Melodien verbinden sich mit reduziertem Sound, tolle Hooklines geben sich die Klinke in die Hand. Bei allem pluckern und fiepen ist der Sound dennoch warm und echt, Analog statt Digital. Das tut den Songs überaus gut.

Allzu ausuferndem Spieltrieb wirken Aaron Ahrends' zurückhaltender Gesang und die gekonnt gesetzten Breaks entgegen. Bei allem erkennbaren Wissen um Produktion und Technik, auf verschwurbelte Kunst hatte man hier ganz offensichtlich keinen Bock, "Plastic Love" ist in erster Linie eingängig und leicht konsumierbar.

Ob man das nun als Pop-Verständnis feiert oder als mangelnde Komplexität bemängelt - hinter den oft bemühten Referenzen Joseph Mount (Metronomy) oder Hot Chip müssen Say Yes Dog sich damit keinesfalls verstecken.

Wie programmatisch für Album und Band gleichermaßen erscheint der Track "Open Wide": in kürzester Zeit entwickelt sich eine Idee von ihrem relaxten Anfang zum treibenden Floorfiller. Denn auch wenn Say Yes Dog auf harte Beats und allzu offensichtlichen House verzichten (können): "Plastic Love" ist im Club zu Hause.

So bleibt im Ergebnis ein bei aller Entspanntheit sehr packendes Album, ein verliebter Rezensent und eine Antwort: Tänzer, definitiv!

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