Leopold Stokowski in Baden-Baden und Stuttgart

Sergei Prokofiev - Leopold Stokowski in Baden-Baden und Stuttgart

Dirigent: 
Leopold Stokowski
Ensemble: 
SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg
Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Der König der Orchesterfarben

Leopold Stokowski wurde geboren, als Wagner seinen Parsifal und Brahms sein 2. Klavierkonzert vollendete. Er arbeitete immer noch, als die Sex Pistols die Bühne des Musikgeschehens betraten.

Es ist fast unmöglich, sich diese Zeitspanne in einem Gedankengang zu vergewärtigen. Noch interessanter wird es mit ein paar biographischen Eckpunkten aus ‘Stokis’ Leben: In Europa wird heute leicht der Fehler gemacht, bei Stokowski zuerst an Fantasia, dann an die Garbo - und dann an nichts mehr zu denken. Es stimmt: Stokowski war der musikalische Mastermind hinter Walt Disneys genialisch-verrücktem Klassik-Zeichentrickfilm, der erst richtig Kult wurde, als die Leute in den Sechzigern begannen, ihn unter Mescalin- Hasch- oder LSD-Einfluß zu konsumieren. Und mit der Garbo, der ultimativen Hollywood-Diva, hatte er einen Sommer lang eine stürmische Affaire.

Das reicht aber nicht, um ihn zu charakterisieren, Stokowski (1882 – 1977) war viel mehr. Seine Musikalität stammt direkt aus dem Zeitalter der Romantik. Dank seines biblischen Alters stellt er für uns die einzige direkte musikalische Verbindung in diese Zeit dar, die in bestem Stereoklang dokumentiert werden konnte. Heute wird bei klassischer Musik zuerst auf Notentreue und Präzision geachtet. Damals waren freie Tempi und emphatischer Ausdruck alles. Was die Musik ungeheuer lebendig erscheinen läßt. Deshalb gibt es auch kaum eine Stokowski-Aufnahme, die im Gehirn nicht sämtliche Synapsen auf Technicolor schalten würde - auch ganz ohne Drogen.

Als Stokowski 1954 für ein kurzes Intermezzo zum SWR nach Baden-Baden kam, war er längst eine lebende Legende. Was ihn dazu gemacht hat zeigt unser Hörbeispiel, einer der Höhepunkte aus Serge Prokofievs hochdramatischer Ballettmusik zu Romeo und Julia. In dieser Szene trauert Romeo an Julias Grab. Der Autor verspricht: Keine andere Aufnahme dieses Werkes kommt der erschütternden emotionalen Wahrheit dieser Szenerie so nahe. Und der Klang läßt einen leicht vergessen, dass es sich um eine Aufnahme von 1954 handelt.

2 CDs, ca. 128 Minuten

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