White Water

The Slow Show - White Water

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Freunde fürs Leben

Wie war das noch gleich mit dem Propheten im eigenen Land? Für Manchesters neuesten Exportschlager The Slow Show liegt das Glück jedenfalls am Niederrhein. Genauer gesagt in Haldern, dem kleinsten Nabel der Welt - zumindest einmal im Jahr und aus Sicht von Fans handgemachter Musik.

Dass man dort einen exzellenten Riecher für Entdeckungen hat, beweist seit über 30 Jahren das Booking eines der schönsten Festivals Europas. Auf dessen hauseigenem Label Haldern Pop Recordings ist nun (nach zwei EPs im Eigenvertrieb) das zu Recht vielbeachtete Debüt "White Water" erschienen.

Die Heimat im Nordwesten Englands sei hier einzig der Vollständigkeit halber erwähnt, The Slow Show wirken in etwa so englisch wie Las Vegas oder Disneyland. Schließt man die Augen, steht man sofort auf einem staubigen Highway irgendwo in Kentucky oder mitten in Nashville, Tennessee. Man kann das Album also getrost unter Alternative Country oder Americana einsortieren, je nach Belieben, solche Fachsimpelei fällt schwer angesichts der Schönheit dieser Musik.

Es mag eine Weile dauern, bis sich der etwas schwermütige Kosmos von "White Water" ganz erschließt. Aber nach und nach entstehen immer mehr Bilder im Kopf und mit jedem Song, mit jedem weiteren Hören werden diese Bilder größer und ihre Farben prachtvoller. Es geht um das Leben, den Tod, um die große und einzige Liebe. Oder um deren Absenz. Der Sound steht diesen universellen Themen in nichts nach: Hier wird ganz dick aufgetragen, gefährlich dick bisweilen. Mit Chor und Streichern, mit Pauken und Trompeten. Doch die behutsame Produktion von Keyboarder Frederik 't Kindt lässt den Songs bei allem Pathos erfreulicherweise stets genügend Luft und schafft immer wieder auch reduzierte und spröde Momente.

In den falschen Händen hätte dieses Album leicht in den Kitsch abrutschen und unter Schichten von synthetischen Klangteppichen begraben werden können. Doch der Anspruch der Band lässt solche Schlamperei nicht zu, die Arbeiten im Studio wurden immer wieder auf Eis gelegt um genügend Geld für den nächsten Schwung Streicher oder auch mal eine komplette Brass Band zusammen zu sparen. Die Ausgaben haben sich wahrlich gelohnt: Alles an diesem Album klingt warm und behaglich, selbst in der mitunter tiefen Traurigkeit der Texte liegt ein eigenartiger Trost. Nicht zuletzt ist es natürlich der weiche Bariton von Sänger Rob Goodwin, der einen beim ersten Song in den Arm nimmt und dann 45 Minuten lang nicht mehr los lässt. Danach ist man Freunde fürs Leben.

"White Water" ist eines dieser Alben, bei denen man nach ein paar Durchläufen zwei Dinge sicher weiß: Das hier werde ich in 20 Jahren noch hören. Und es wird noch immer großartig sein.

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