Album

You Sound, Reflect

Tara Jane O’Neil - You Sound, Reflect

Redaktionswertung: 
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Das Uferlose im Popsong

Interessant wird es doch immer, wenn sich Avantgardisten dazu entschließen, einfach mal hübsche Musik zu spielen: Im besten Fall entsteht eine Schönheit zweiter Ordnung, in der die Komplexität durch einen Schleier aus Pop schimmert.

Eigentlich reicht die vielgestaltige Spur, die Tara Jane O’Neil in den letzten zwölf Jahren hinterlassen hat, bereits für drei Künstlerleben: Ihre erste Band Rodan veröffentlichte mit „Rusty“ eines der wichtigsten (und kompliziertesten) Indie-Alben der frühen 90er. Es folgten diverse Projekte und Kollaborationen, die sich zwischen den Eckpfeilern experimenteller Soundgestaltung (The Sonora Pine) und folkinspiriertem Songwriting (Retsin) bewegten. Zudem ist die Multiinstrumentalistin auch als Schauspielerin, Tontechnikerin und Illustratorin tätig, wobei sie alle Bereiche miteinander verknüpft: Ihre schroffen Figurenmalereien bannte Tara Jane O’Neil schon des öfteren auf Plattencover. Keine Zeichnung, sondern ein gleißendes Fotoporträt ziert ihr unlängst veröffentlichtes, viertes Soloalbum „You Sound, Reflect“. Kunstvolle (Pop)Songs sind darauf zu hören, in denen ungewöhnliche Arrangements auf zerbrechliche Melodien treffen. Die wortkarge 31-jährige, die ihren Beruf gerne mit „Sound-Shaper“ angibt, kann sich in dem Stück „The Poisoned Mine“ zwar nicht recht zu einem Refrain entschließen, aber schafft es trotzdem, zu bezaubern. Stimmlich mäandernd über ein repetitives Fingerpicking-Motiv, wird sie von einer Violine zart begeleitet – ein beruhigendes Stück Musik, das genau so auch eine halbe Stunde lang weiterlaufen könnte, ohne zu stören. Lehnen wir uns also zurück und sonnen uns für einen endlosen Moment in dem falschen Versprechen der Einfachheit des Daseins. So wie Tara Jane O’Neil es tut. (as)

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