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Radio Retaliation

Thievery Corporation - Radio Retaliation

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Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Welchen Sound hat Politik? Muss politisch motivierte Popmusik auch musikalisch auf die Zwölf hauen, um Gehör zu finden? Oder: Kann Musik mit Message auch so nett und unverbindlich daherkommen wie der Soundtrack einer Cocktail-Party, der den Genuss des Gimlet nicht stören sollte?

Rob Garza und Eric Hill, die beiden von der Thievery Corporation, wollen mit "Radio Retaliation" ein politisches Zeichen setzen. Aus dem Zentrum der Macht der bösen Bush-Administration, Washington D.C., soll ihr "Radio Retaliation" senden. Und am besten in der ganzen Welt gehört werden. Gästen wie Femi Kuti oder Seu Jorge sorgen für den globalen und Globalisierungs-kritischen Brückenschlag, der maskierte Zapatist auf dem Cover für ein bisschen Guerilla-Appeal. Blutsauger werden abgekanzelt, vom "Pueblo Unido" geträumt und mit Alarm eine Schneise durch die City geschlagen.

Nur zwischen Anspruch und Wirklichkeit haben Thievery Corporation die Musik gestellt, die dem ehrenwerten politischen Projekt nicht folgen kann. Auf "Radio Retaliation" rauschen 15 wunderbar und durchaus fett produzierte Tracks am Ohr vorbei, die eher ihr eigens Verschwinden erreichen als mit ihren Messages ins Gehör zu dringen. Zieht man den ganzen politischen Klimbim einmal ab ist "Radio Retaliation" eines der besten Thievery Corporation-Alben, das man mit Tüte oder meinetwegen auch einem Cocktail in der Hand gerne hört. Mehr musikalische Substanz als bei der aktuellen Nightmares On Wax ist hier durchaus vorhanden. Aber inhaltlich wirklich zu einem durch zu dringen, das schaffen Thievery Corporation nicht.

Florian Schneider / Tonspion.de

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