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Wie es leuchtet

Thomas Brussig - Wie es leuchtet

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Das Stimmungspanorama der Wendezeit

Deutschland, zwischen den Sommern `89 und `90. Die Mauer fällt und auch im übertragenen Sinn bleibt kein Stein auf dem anderen. Niemand hat bislang das Lebensgefühl dieser Zeit so farbig und genau eingefangen wie Thomas Brussig.

Allerdings ist bei ihm nicht viel vom Pathos einer historischen Umwälzung zu spüren. Vielmehr beschreibt Brussig dieses verrückte Jahr als fortwährenden Rausch. Der Spaß, den die Leute hatten und auch die grotesken Elemente stehen im Vordergrund. Es war eben Spaß, auf der Mauer zu tanzen und es war grotesk, als "Birne" Kohl im strömenden Regen grottenfalsch die Nationalhymne sang.

Durch Deutschland wehte ein Wind fröhlicher Veränderung und, dank der langen Nase, die die Bürger der Noch-DDR ihrem autoritären Staat via Ungarn zeigten, dank Steffi, Boris und der Fußball-WM hatten wir alle dieses uns-hält-keiner-auf Gefühl. Jedes Wochenende konnte man wegen irgendwas freudentrunken durch die Straßen laufen. Dieses Gefühl fängt Brussig exakt ein.

Und er zeigt, daß die Wendezeit abseits von Perestroika und "New World Order" auch eine riesige Harlekinade war, eine Hochzeit für schräge Vögel aller Couleur, für kleine Leute, deren Leben auf einmal viel bunter wurde. Eine Unmenge solcher Figuren breitet im Verlauf des Buches kaleidoskopartig seine Geschichten vor uns aus. Thomas Brussig erzählt von Lena, der rollschuhfahrenden Jeanne d`Arc aus Karl-Marx-Stadt, die den Wendehit schreibt, von Lenas großem Bruder, dem einzigartigen Leica-Fotografen, von Leo Lattke, dem Starreporter, der gerade jetzt in eine Schreibkrise kommt oder auch von dem 19-jährigen Albino, der für einen Weltkonzern eine Volkswirtschaft sondiert. Die Geschichten von Lena werden im Hörbuch gelesen von Christiane Paul. Im Hörbeispiel führt sie uns mittenhinein in eine legendäre Berliner Demo.

Thomas Brussig, 1965 in Berlin geboren, wuchs im Ostteil der Stadt auf. Er studierte Soziologie und Dramaturgie und debütierte 1991 mit dem Roman "Wasserfarben". Zusammen mit Leander Haußmann schrieb er das Drehbuch zu "Sonnenallee". Seine Bücher wurden bisher in 24 Sprachen übersetzt.

Gekürzte, authorisierte Fassung
6 CDs, ca. 468 Minuten

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