Der Tod in Venedig

Thomas Mann - Der Tod in Venedig

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Der alternde Schriftsteller Gustav von Aschenbach reist eines Tages aus einer Laune heraus nach Venedig. Dort umfängt ihn der Reiz eines makellos schönen polnischen Knaben, vom der er sich auch nicht lösen kann, als in Venedig die Cholera ausbricht.

Im Schwanken seines Protagonisten von Aschenbach zwischen sehnsüchtiger Leidenschaft und schlechtem Gewissen beleuchtet Thomas Mann zunächst die Dissonanz von Würde und Begehren: Der betagte deutsche Dichter ist sehr auf die Einhaltung der gesellschaftlichen Normen bedacht, die ihn natürlich davon abhalten, sich dem Objekt seiner Begierde zu nähern. Er beschränkt sich aufs Phantasieren und auf heimliches Beobachten, wobei ihn schließlich auch der Tod in seinem Strandkorb ereilt.

Soweit die Story, doch Manns Roman geht zwischen den Zeilen weit darüber hinaus. "Tod in Venedig" ist auch in den Augen vieler, die Mann nicht verehren, ein solches Meisterwerk, weil der Autor in diese kleine Geschichte soviel mehr eingebaut hat, und manches vielleicht sogar gegen seinen eigenen Willen: Das von der Cholera bedrohte, sich langsam geisterhaft lehrende, ins morbide kippende Venedig dient als Symbol für den bevorstehenden Untergang der europäischen Hochkultur des 19. Jahrhunderts, die sich selbst in starren Normen und übertriebener Verfeinerung verliert. Und dann entwirft Thomas Mann ein tiefdringendes Psychogramm nicht ausgelebter Homosexualität, der Neigung also, der er selbst sich nie zu stellen wagte und portraitiert damit letztenendes sein eigenes Seelenleben. Wie gnadenlos er dabei zu Werke geht, erfährt man in unserer Hörprobe. Auch atmosphärisch ist der Text ein Genuß, viel sinnlicher als viele andere Schöpfungen Manns. Hier ist die Todesstimmung, die Luchino Visconti 1970 in seinem gleichnamigen Kultfilm kongenial nachgezeichnet hat, schon perfekt angelegt. Auch wird das "Adagietto" aus Mahlers 5. Sinfonie, das seit diesem Film für Venedig, Morbidität und Todessehnsucht steht, im Hörbuch an mehreren Stellen verwendet.

Der am 6.6.1875 in Lübeck geborene Patriziersohn gilt als der größte deutsche Romancier des 20. Jahrhunderts. In seinem Werk schlagen sich die vielfältigen kulturellen und geistigen Strömungen seiner Zeit mit ihren Wandlungen und Verwerfungen nieder. 1929 wurde er vor allem für seinen z.T. autobiografischen Roman "Die Buddenbrooks" mit dem Nobelpreis geehrt.

Der berühmte Schauspieler Will Quadflieg (1914-2003) gestaltete mit seiner facettenreichen Ausdruckskraft und seiner Sprachkunst die großen Rollen des Charakterfachs, wobei der "Faust" eine seiner Glanzrollen wurde. Er profilierte sich auch als Rezitator in den großen Partien der Weltliteratur, die zunächst auf Schallplatte, später auf CD erschienen.

Gekürzte Textfassung
2 CDs, ca. 147 Minuten

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