Across Six Leap Years

Tindersticks - Across Six Leap Years

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Zwanzig Jahre Tindersticks

21 Jahre sind eine lange Zeit im Popgeschäft – und auch für die Tindersticks nicht ganz einfach durchzuhalten. Die britische Band um Mastermind Stuart Staples hat sich seit den frühen Neunziger Jahren mehrfach umorientiert, nach einer Sinnkrise sogar aufgelöst und 2008 in veränderter Besetzung neu gegründet

Von Beginn an waren Tindersticks keine „normale“ Rockband, sie setzten klassische Instrumente wie Streicher und Bläser ein, was ihrer Musik die Bezeichnung „Kammer-Pop“ einbrachte.

Seit vielen Jahren kooperieren Tindersticks mit der französischen Filmregisseurin Claire Denis, für die sie mehrere Soundtracks komponierten, und es gibt nicht wenige Menschen, die Staples und seine Kollegen wegen ihres dezidierten Kunst-Appeals für versnobte Dandys halten. Mindestens genauso viele Leute aber verehren Tindersticks kultisch – wegen der unvergleichlichen Leidenschaft, die diese Band seit 1991 verströmt.

Weil Tindersticks eine so außergewöhnliche Band sind, haben sie sich auch etwas Besonderes einfallen lassen, um ihr langjähriges Bestehen zu feiern. Für das Album „Across Six Leap Years“ (sechs Schaltjahr-Perioden) nahmen sie im legendären Abbey-Road-Studio 2 zehn eigene Songs neu auf, die ihnen im Lauf der Jahre irgendwie durchgerutscht waren – sei es, weil sie nie live gespielt wurden oder in den Urversionen nicht so klangen, wie sie hätten klingen können. Songs mit Potential also: „Sleepy Song“ von ihrem zweiten Album von 1995 ist ein solcher Fall, der knapp zwanzig Jahre später erst zu seiner würdigen Form findet. Oder „Say Goodbye to the City“ vom sechsten Album „Waiting for the Moon“, das kurz vor der Trennung der Band entstand und im Rückblick in Texten und Musik deutliche Auflösungstendenzen in sich trug.

Die Stimmung auf „Across Six Leap Years“ ist durchweg ruhig, getragen, festlich – als hätte die Band ein wenig Ehrfurcht vor sich selbst, aber ebenso spürt man die Freude der Musiker darüber, was aus den bisher eher stiefkindlich behandelten Songs herauszuholen war. Mit ihrem Jubiläumsalbum präsentieren sich Tindersticks als wandelbare Band, die sich nicht mit Erreichtem zufrieden gibt. Ist das snobistisch? Gewiss nicht.

>> Review und Download zu "The Something Rain" von Tindersticks

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