Life On Earth

Tiny Vipers - Life On Earth

Label: 
Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Choral der Herbstlichkeit

Eine junge Dame macht noch keinen Sommer. Speziell dann nicht, wenn ihr Soundtrack so klingt wie Tiny Vipers. Hätten wir Herbst, gäbe es die volle Punktzahl. 

Jesy Fortino lebt in Seattle, allerdings auf der dunklen Seite des Lebens. Zumindest gleicht ihre Musik einem derart düsteren und schwermütigen Schattendasein, dass man hier auf keinerlei gute Gedanken kommen kann, geschweige denn von Frühlingsgefühlen oder Sonnenschein in der Musik berichten könnte.

Ganz ähnlich klang das auch schon vor zwei Jahren, als Fortino unter dem Namen Tiny Vipers ihr Debüt "Hands Across The Void" veröffentlichte. Nur mit dem Nötigsten ausgerüstet geht sie in aller Ruhe vor: Eine Akustikgitarre säuselt leise, ihre Stimme legt sich sanft darüber, um immer dann lautstark aus dem Dunst der Düsternis emporzusteigen, wenn man sie aus den Ohren zu verlieren wähnte. Und dann entfaltet sie sich, geht auf und erfüllt den Raum mit Klang und Wärme, trotz der Kälte. Tiny Vipers klingt wie ein meditativer Choral, der zum Schaffot geleitet wird. St. Vincent in viel düsterer, PJ Harvey in weitaus tiefer, Cat Power in rein akustisch und Townes Van Zandt in weniger texanisch. Die pure Herbstlichkeit also.

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