Kings Of Suburbia

Tokio Hotel - Kings Of Suburbia

Redaktionswertung: 
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Nach dem Monsun

Tokio Hotel sind zurück. Nach sechs Jahren Pause veröffentlichen die Gebrüder Kaulitz ihr neues Album "Kings of Suburbia". Wir versuchen eine vorurteilsfreie Annäherung.

Mit "Durch den Monsun" hatten Tokio Hotel im Jahr 2005 einen echten Welthit. Damals war Sänger Bill Kaulitz gerade mal 16 Jahre alt. Man kann sich kaum mehr erinnern, wann eine deutsche Band mit ihrer ersten Single gleich international abräumte und dann noch in so jungen Jahren. Kein Urlaubsland, in dem "Durch den Monsun" nicht in diversen Sprachen im Radio lief. 

Das ist jetzt fast zehn Jahre her, Tokio Hotel zehren immer noch von diesem frühen Ruhm, auch wenn die Hits spärlicher wurden, was durch immer abgefahrenere Outfits und Dauerpräsenz in den Klatschspalten geschickt übertüncht wurde.

Auf ihrem neuen Album versuchen Tokio Hotel nun den Spagat einerseits wieder musikalisch relevant zu werden, aber auch ihr Teenieband-Image abzustreifen, denn das wurde schon vielen anderen jung erfolgreichen Bands zum Verhängnis. 

So beginnt "Kings Of Suburbia" mit zwei klar auf den Club abzielenden Tracks, der Rock der frühen Tage scheint nur noch gelegentlich durch. Stattdessen hat man offenbar viel David Guetta, Tiesto und sonstigen clubtauglichen Mainstream gehört.

Auf dem dritten Song "Run Run Run" singt Bill Kaulitz dann alleine zum Klavier und es wird klar, warum auf dem Album fast auf allen Tracks Autotune zum Einsatz kommt, die seine Stimme verfremden: als Sänger würde er auch heute noch spätestens in der zweiten Runde von DSDS rausfliegen. Viele der Sänger, die er letztes Jahr als Juror bewerten durfte, wären ihm haushoch überlegen. Aber nicht jeder hat diese Aura, die Bill Kaulitz mit seinem androgynen Auftreten offenbar auf seine alten Fans ausstrahlt. 

Mit ihrer dritten Single "Love Who Loves You Back" schließlich scheinen Tokio Hotel endlich ihren neuen Sound gefunden zu haben. Die poppige Disconummer mit dem betont lasziven Video steht ihnen äußerst gut und selbst die fehlende stimmliche Präsenz fällt nicht weiter auf. Der Song könnte sich ohne weiteres auf einer der jährlichen Electropop-Compilations des musikaffinen Pariser Modelables Kitsuné wieder finden. Hätte eine junge britische Band oder eine schwedische Sängerin diesen Track aufgenommen, sämtliche Indie-Blogger wären aus dem Häuschen.

Weitere Songs in diesem Fahrwasser, "Kings Of Suburbia" oder "We Found Us" bestätigen, dass diese Richtung wohl den neuen Sound von Tokio Hotel prägen wird: Tokio Hotel sind und bleiben Pop. Nicht mehr und nicht weniger. Und mit "Dancing In The Dark" schaffen sie am Ende des Albums sogar noch die 80er neu aufleben zu lassen, als wären sie da schon auf der Welt gewesen.

Dass die Band Leuten, die nicht in den 00er Jahren in der Pubertät waren, maximal ein leises Lächeln entlockt: das ist das schwere Päckchen, das man als (ehemalige) Teenieband zu tragen hat. Immerhin bereichern Tokio Hotel die deutsche Musiklandschaft um eine bunte, unterhaltsame Facette. Und wenn sich Kaulitz endlich zu einem Coming-Out durchringt, das er im Video zur aktuellen Single zumindest andeutete, dann würde er sich vielleicht auch endlich den Respekt verschaffen, den er sich erhofft. 

The perfect storm
What turns you on?
You can have all that
Love Who Loves You Back!

Download & Stream: 

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