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Trümmer - "Interzone"

Trümmer - Interzone

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Eskalation light

Ihr Debüt machte Trümmer vor zwei Jahren zum next big thing. Drei Hamburger Jungs, denen die Genügsamkeit ihrer Generation gewaltig auf die Nerven ging. Für ihr zweites Album ersetzen Trümmer die Livetakes aus dem Probenraum gegen aufwendiges Arbeiten im Studio. Aber ist mehr auch besser? Willkommen in der Interzone.
 

Einfach nur satt und sicher reichte nicht, Trümmer wollten mehr. Mehr Antworten, mehr Fragen, mehr Aufbruch, auch mehr Scheitern, wenn es denn so sein soll. Hauptsache nicht grau, nicht egal, nicht Mittelmaß. Und so besang ein aufgekratzter Paul Pötsch im Jahr 2014 die Revolte und fragte sich und uns: „Wo ist die Euphorie?“

Und heute? Das Album Nummer zwei. Das sagenumwobene "schwierige". Angstgegner vieler Bands, oft zu recht. Wie ein Besuch der buckligen Verwandtschaft. Man ahnt Fürchterliches und weiß doch, man kommt nicht drumherum. Auch Trümmer müssen da durch, doch von Angst spürt man nichts. Im Gegenteil, sie gehen ihre Bewährungsprobe recht offensiv an.

Offensichtliches zuerst: das Trio ist jetzt ein Quartett. Gitarrist Helge Hasselberg produzierte bereits das Debüt und verstärkte die Band auf Tour, warum also nicht Nägel mit Köpfen machen?

Wer nun davon ausgeht, der Sound würde dank eines weiteren Gitarristen entsprechend breitbeiniger, der irrt. Bei „Nitroglycerin“ treffen besagte Gitarren auf die Funk-Vorliebe von Teilzeit-DJ Pötsch. Trümmer goes Disco. Und ja, es funktioniert.

Überhaupt warten auf „Interzone“ so einige Überraschungen. Man könnte auch sagen, sie lauern, denn nicht alle Experimente laufen so rund wie das gerade erwähnte. Mancher Wortwitz tappt in die Phrasen-Falle und manche Zeile steht gefährlich nah am Abgrund. „Wir haben den Swag im Blut“ lässt sich in der Wiederholung nicht ganz schmerzfrei weghören und für „L’amour toujours / L.O.V.E / Europa Mega Monster Rave“ braucht man dann noch ein bisschen mehr Kraft.

Die Themen jedoch stehen ihnen gut. Lieder übers Nachtleben, über Einsamkeit und Widerstand und von der hohen, aber vom Aussterben bedrohten Kunst des süßen Nichtstuns. Und dann plötzlich doch wieder vom Fluch ihrer Generation, von Druck und Erwartungshaltung: „Ich kann und will mich nicht mehr optimieren / Ich kann und will mich nicht mehr kontrollieren“. Heldenhaft.

„Gin Tonic & Wodka Soda“ beschwört den Zauber den Nacht, anything can happen, was kümmert uns, was morgen kommt. Das ist gleichzeitig Punk und Poesie. Der Tag bis zur nächsten Nacht ist einfach zu lang.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: „Komm wir explodieren, eskalieren“ singt Pötsch und klingt dabei machmal doch mehr nach gesetzter Gemütlichkeit als nach wilder Eskalation. Überhaupt scheint es, als hätten Trümmer es mit dem Aufräumen, Durchlüften und feucht durchwischen stellenweise etwas zu gut gemeint. Dem ein oder anderen bissigen Ansatz hat die Produktion auf dem Weg zum fertigen Song doch noch schnell die Zähne gezogen.

Schade ist das durchaus, wirklich schlimm keineswegs. Wann immer man ein bisschen Rotz, Sturm und Drang vermisst, kommt kurz darauf eine so charmante Idee um die Ecke, folgt ein so geschickter Move, dass man schnell wieder versöhnt ist. Neu ist anders und anders heißt nicht schlechter. Mit dem Rausschmeißer „Wozu noch Angst“ gelingt ihnen dann auch noch einer der derzeit besten deutschen Songs überhaupt. Großartig!

Hier bestätigen sich zwei uralte Weisheiten zum wahrscheinlich millionsten Mal: Das zweite Album ist tatsächlich schwierig. Erwachsen werden erst recht.

„Interzone“ hat seine Makel, Grund zum jammern liefert es nicht. Die Einflüsse sind vielfältiger geworden, die Palette bunter und die Ziele größer. Ab und an geraten Trümmer über die eigenen Ambitionen ins Straucheln, aber sie fallen nicht. „Interzone“ führt uns gut durch die Nacht, vorbei an den Besoffenen, den Hedonisten, den Freaks, den Gescheiterten, den Träumern und den Verliebten. Man erreicht den nächsten Morgen vielleicht nicht ganz ohne Schrammen, aber man geht doch glücklich ins Bett.

 

Interzone Bar Shows:

29.04.16. Hamburg, Interzone Bar
03.05.16. Berlin, Antje Öklesund
06.05.16. Köln, Stereo Wonderland
(Die Erlöse gehen an die Hamburger Initiative Refugees Welcome Karoviertel)

 

Trümmer auf Tour:

12.10.16. Hannover, Lux
13.10.16. Wiesbaden, Schlachthof
14.10.16. Köln, Gebäude 9
15.10.16. Münster, Gleis 22
16.10.16. Leipzig, Naumanns im Felsenkeller
18.10.16. Salzburg, Rockhouse
19.10.16. München, Ampere
20.10.16. Innsbruck, Weekender
22.10.16. Vöcklabrück, OKH
24.10.16. Wien, Fluc
25.10.16. Zürich, Werk 21
26.10.16. Stuttgart, Keller Club
28.10.16. Hamburg, Uebel & Gefährlich

 

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Trümmer

Trümmer - Trümmer

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Schutt und Asche
Trümmer sind die neue Indie-Hoffnung aus Hamburg. Ihr Debütalbum steht in der Tradition von Tocotronic, Blumfeld oder Die Sterne, von denen sie sich zu ihrem Bandnamen inspirieren ließen.

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