Songs Of Innocence

U2 - Songs Of Innocence

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Corporate Rock

U2 haben ihr neues Album "Songs Of Innocence" an Apple verkauft und präsentieren sich damit als neuer Inbegriff des Corporate Rock. Über die Distributionsmethode lässt sich streiten, doch was kann das neue Album eigentlich musikalisch? Wir haben uns das Album Track für Track angehört.

Den Opener "The Miracle (Of Joey Ramone)" spielte die Band anlässlich der Produktpräsentation von Apple. Er erinnert an Joey Ramone, den Bono als größten Einfluss nennt, schließlich habe auch er keine typische Rockstimme gehabt, also habe er ihm in seiner Anfangszeit nachgeeifert. Zwar rocken die Gitarren für U2-Verhältnisse relativ straight nach vorne, trotzdem bleibt der Song sehr durchschnittlich und der Refrain wirkt aufgesetzt und zündet nicht. Ein erschütternd schwacher Start. Wie Ur-Punk Joey Ramone es wohl gefunden hätte, seinen Namen für eine Markenpräsentation herzugeben? (2 von 6)

Auf "Every Breaking Wave" schalten U2 gleich wieder einen Gang zurück mit einer eingängigen Midtempo-Ballade, einer Songgattung, die U2 im Schlaf beherrschen und wahrscheinlich sogar erfunden haben. Fan-Futter. (3)

"California (There Is No End To Love)" - noch eine Kalifornien-Hymne fürs biedere US-Collegeradio. "Oh-oh-o-o-oh". Kann man machen. Muss man aber nicht. (2)

Mit "Song for Someone" zünden U2 das Lagerfeuer an. "There Is A Light, Don't Let It Go Out". Schön. (4)

Auf "Iris (Hold Me Close)" sind endlich erstmals die typischen Delay-Sequenzen von The Edge zu hören, die sein Gitarrenspiel seit "The Unforgettable Fire" so wiedererkennbar gemacht haben. Der Song ist Bonos Mutter Iris gewidmet, die starb als er noch ein kleiner Junge war. Die persönlichste Nummer des Albums und dank der typischen U2-Zutaten auch bisher die mit Abstand stärkste. (5)

TOP 10: Die besten Songs von U2

Auf "Volcano" überraschen U2 mit einer ungewöhnlichen Falsett-Hookline und sprödem Sound, der ans erste U2-Album "Boy" erinnert. (5)

"Raised By Wolves" ist der vielleicht untypischste U2-Song auf "Songs of Innocence". Die dramatische Strophe mit Vokal-Effekten, Klavierbegleitung und den prägnanten Edge-Gitarren mündet in einen Refrain, auf den selbst Linkin Park neidisch sein dürften. Das ist natürlich Geschmackssache, dennoch einer der imposantesten Songs des neuen Albums. (4)

Und schon wird wieder gerockt, "Cedarwood Road" startet mit einem starken Gitarrenriff, schaltet dann aber schnell einen Gang zurück, um Bono die Bühne zu überlassen. Ein eher konservativer Song, den man sofort wieder vergessen hat, nachdem der letzte Akkord verklungen ist. (2)

"Sleep Like A Baby Tonight", der erste Song, der nur mit Synthie-Sounds beginnt und dadurch überrascht. Eine für U2 ungewöhnlich instrumentierte Ballade, die endlich wieder einen Refrain hat, der diesen Namen auch verdient. Schließlich sind U2 vor allem für ihre hymnischen Refrains berühmt geworden. Davon war bisher leider wenig zu hören. (5)

"This Is Where You Can Reach Me" beginnt erneut mit Klavier und Akustikgitarre und lässt zunächst offen, in welche Richtung es geht. Das weiß man allerdings auch am Ende des Songs noch nicht. Egal. Next. (3)

Der letzte Songtitel "The Troubles" verspricht eine Menge Schwermut. Kommt jetzt endlich der Übersong, der uns mit U2 versöhnt? Immer wieder in ihrer Karriere haben sie Songs rausgehauen, an denen man einfach nicht vorbei kommt, wenn man ein Herz hat. Den Refrain von "The Troubles" überlässt Bono Lykke Li und hält sich auch sonst angenehm zurück. Dieser Song könnte sich als der heimliche Hit des Albums erweisen, denn es ist ein Grower, der mit jedem hören wächst, ohne zu nerven. Ein versöhnlicher Abschluss eines ansonsten eher durchwachsenen Albums. (6)

Spott und Häme für Apple und U2 - Wie ein Marketinggag nach hinten los geht

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