Das Artwork von "Heads Up"

Warpaint - Heads Up

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Der Nebel lichtet sich

Auf ihrem neuen Album "Heads Up" wollen Warpaint plötzlich auch etwas Spaß zwischen der endlosen Traurigkeit. Ein unerwarter Spagat, der erstaunlich gut funktioniert.

Irgendwann Anfang des Jahres ging es los. Warpaint begannen Schnappschüsse aus ihrem Aufnahme-Studio auf Facebook und Co. zu teilen und die Fans waren außer sich. Endlich kommt ein Nachfolger der selbstbetitelten Platte aus 2014; endlich wieder sphärischer Post-Rock von der All-Girl-Band aus Los Angeles; und endlich wieder aufgehen in den wabernden Weiten ihrer so unglaublich traurig, kräftigen Songs.

Doch dann kam kurz vorm Release die erste Single “New Song” und war so gar nicht, wie erwartet. Da hüpfte in den ersten Sekunden ein Voice-Sample im Intro so unverfroren fröhlich über die catchy Bassline, dass plötzlich die Frage im Kopf aufpoppte, ob das wirklich “die” Warpaint sind. Das muss doch eine Verwechslung sein! 

Aber nein, ist es nicht. Sogar ganz im Gegenteil: “New Song” ist genau das, was Emily Kokal, Theresa Wayman, Jenny Lee Lindberg und Stella Mozgawa auf dieser Platte erreichen wollten. Schon lange vor der Veröffentlichung haben sie angekündigt auf ihrem dritten Album poppiger sein zu wollen und endlich auch mal ein bisschen Spaß zu haben.

Warpaint? Spaß? Damit ist “New Song” der klare Aufreger und Aufhänger der Platte; die Essenz der Weiterentwicklung der Band sozusagen. Und natürlich ist es leicht, sich lautstark an dieser Tatsache zu stören und “Heads Up” voreilig unter “uninspiriert” und “angepasst” einzuordnen, aber das würde der Platte ganz und gar nicht gerecht, denn da sind auch noch 10 andere Songs, die es zu hören gilt. Und die sind teilweise grandios.

Denn schon die zweite Single “Without” - übrigens auch der Opener des Albums - bringt schon wieder deutlich mehr von der ewigen Düsternis mit, die die alten Platten so sehr durchdrungen hat. Songs wie “Above Control” oder “Today Dear” lassen sich sogar völlig in ihr zergehen. Nur musste man die abstrakte Schönheit, die in dieser Düsterheit liegt, auf “Warpaint” und “The Fool” noch selbst irgendwo zwischen den ausgefeilten Harmonien suchen, so findet man sie jetzt teilweise innerhalb von Sekunden im eigenen, vorsichtig wippenden Nacken.

Die neuentdeckte Eingängigkeit dürfte wohl auch mit der veränderten Arbeitsweise der Band zusammenhängen. Denn statt monatelang immer und immer wieder alles zu überarbeiten und an den einzelnen Spuren zu tüfteln, schmetterten Warpaint “Heads Up” in vergleichsweise kurzen vier Monaten hin und hinterfragen nicht alles bis ins letzte Detail. Damit ist ihr drittes wohl auch mit Abstand ihr ehrlichstes Album. Und genau deswegen eventuell ihr Bestes.

"Heads Up" erscheint am 23.09.2016 bei Rough Trade Records.

Download & Stream: 

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