Immer Immer

Wellness - Immer Immer

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Von Stürmen, Booten und dicken Mädchen

Der Weg zum Strand führt ab sofort über Köln. Wellness machen auf ihrem Debüt "Immer Immer" dem Bandnamen alle Ehre: nach diesen Songs ist man rundum glücklich.

„Any of you fucking pricks move, and I'll execute every motherfucking last one of ya!“

Sprach’s und legte die Knarre an. 1994, Pulp Fiction, Pumpkin & Honey Bunny auf Raubzug im Diner. Tarantino hat mit seinem Klassiker nicht nur John Travolta einen zweiten Frühling beschert, sondern auch eine vermeintlich angestaubte Musik für eine neue Generation zur Definition von Coolness erhoben: den Surf Rock. Nachdem Amanda Plummer hier so wenig ladylike die Anwesenden über den weiteren Verlauf des Tages informiert hat, folgt der Auftritt einer Ikone: Dick Dale und seine Del-Tones schufen mit „Misirlou“ im Jahr 1961 den Song, der heute wie kein zweiter für das gesamte Genre steht.

Nun schickt sich eine junge Band aus Köln an, der ganzen Sache ein weiteres Mal frisches Blut zu injizieren. Wellness nennen ihren Sound folgerichtig Tarantino-Pop und können sich das auch problemlos leisten, denn das befürchtete Retro-Klischee bleibt zum Glück aus. Das liegt am deutlichen Indie-Appeal, vor allem aber an der größten aller möglichen Überraschungen angesichts dieses Sounds: den ebenso feinsinnigen wie geistreichen deutschen Texten. Zyklone, Schlauchboote und die nudeldicke Dirn’ aus dem volkstümlichen Kinderlied unfallfrei in einem Text vereint, das hört man nicht alle Tage.

Wer jetzt aber ein verkopftes und sperriges Auskenner-Album erwartet, reserviert für Fans des Genres, der irrt. „Immer Immer“ wird all denen gefallen, die auch eingängige Melodien lieber mit wachem Hirn genießen und von ihrer Muttersprache etwas mehr erwarten als die gängigen Radio-Reime zu bieten haben.

Das Konzept funktioniert tatsächlich auch auf Albumlänge überaus gut. Vielleicht, weil es sich nicht als solches in den Vordergrund drängt. Die Songs sind intelligent und konsequent und Sänger Matthias Albert Sänger (nein, kein Tippfehler) brilliert in jedem einzelnen von ihnen.

Im Fazit ist „Immer Immer“ wohl eines der spannendsten deutschen Alben des noch jungen Jahres. Die Wiener Kollegen von Wanda sind schon absolute Fans, Honey Bunny und ihr Pumpkin sicher auch. Da ist der Rest der Welt nur noch eine Frage der Zeit.

 

Live:
08.07. Leipzig - Arena am Panometer / Sommerbühne
14.07. Bochum - Bühne am Kap / Bochum Total
06.08. Dresden - Freilichtbühne Junge Garde (mit Ash + Sportfreunde Stiller)

 

Foto (Startseite): Nicole Müller

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