White Lies "Friends"

White Lies - Friends

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„White Lies“ heißen im Englischen die kleinen Notlügen, die uns alle über den Tag retten. Unter Freunden zählt jedoch nichts als die reine Wahrheit und einer muss es mal ganz offen aussprechen: das hier reicht nicht ganz. Sorry.

Wir schreiben das Jahr 2008 als mal wieder ein next big thing vom Vereinigten Königreich aus in die Welt export wird. White Lies legen mit ihrem an Pop angelehnten Post-Punk und dem Habitus der Ian-Curtis-Gedächtnis-Band eine Punktlandung hin. Wie herrlich melancholisch waren die frühen Songs des Londoner Trios, wehmütige Hymnen, getragen von Synthies, Gitarren und einer Stimme, die nicht von dieser Welt schien. Die Stimme ist noch da, der Rest versinkt in Discofox.

Seit dem Debüt haben White Lies ihren Sound Schritt für Schritt geglättet und driften auf ihrem vierten Album vollends in Richtung Austauschbarkeit. Ärgerlich ist das vor allem, weil ihnen einige Songs durchaus gut gelungen sind, oder besser gesagt: hätten gelingen können, hätten sie die helfende Hand eines Produzenten bemüht.

Denn wenn die hier erstmals autark agierende Band mit ihrem Material fix und fertig ist, bleibt auch von der schönsten Idee nicht viel mehr als eine klebrig-süße Ladung Zuckerwatte. Jeder gute Ansatz wird augenblicklich in dicken Schichten aus Synthies erstickt und mit einem radiokompatiblen Standard-Beat unterlegt. Man kann Songs wie „Hold Back Your Love“ hier förmlich beim Sterben zuhören. Damals Joy Division, heute The Killers. Grausam.

Doch wo viel Schatten ist, fällt jedes Licht sofort auf: „Is My Love Enough“ ist dank großem Refrain und tollen Drums dann doch eine kleine Perle geworden, wenn auch eine aus Plastik. Ähnlich verhält es sich mit „Swing“: man bekommt einen Eindruck, zu was einige dieser Songs hätten wachsen können, hätte man ihnen nur etwas mehr Luft gelassen.

Ex-Psychedelic Furs Ed Buller, der bereits Suede und Slowdive ins rechte Licht setze (allerdings auch vor t.A.T.u. nicht zurück schreckte - erinnert sich noch jemand?!) wurde leider erst gegen Ende der Aufnahmen und nur als Co-Produzent hinzugezogen. Hätte man den Mann doch mal zeitiger angerufen.

So aber ist es wohl einzig dem Charisma von Frontmann Harry McVeigh zu verdanken, dessen gewohnt gute Leistung seine Kapelle vor dem Absturz bewahrt. Die vielen mäßigen und wenigen schönen Songs machen „Friends“ unterm Strich zu keinem schlechten aber eben auch keinem guten Album. Einer anderen Band würde man das vielleicht durchgehen lassen. Aber wer bewiesen hat, dass er wirklich gute Songs schreiben kann und mit einem solchen Sänger gesegnet ist, darf sich dieses Mittelmaß einfach nicht erlauben. Man kann nur hoffen, dass White Lies sich irgendwann auf das älteste aller Rezepte besinnen: weniger ist mehr. Alles andere wäre doch wirklich zu schade.

„Friends“ erscheint am 7. Oktober via BMG.

Live:
21/10/16 Frankfurt, Gibson
22/10/16 Osnabruck, Rosenhof
23/10/16 Cologne, Kantine
30/10/16 Hamburg, U&G
31/10/16 Berlin, Huxleys
05/11/16 Vienna, Ottakringer Brauerei
09/11/16 Munich, Fabrik
10/11/16 Zurich, Kauflauten
11/11/16 Lausanne, Metropop Festival
 

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