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Whitney - Light Upon The Lake

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Whitney ist das neue Projekt von Ex-Unknown Mortal Orchestra-Drummer Julian Ehrlich und Max Kakacek, ehemaliger Gitarrist bei Smith Westerns. Zu Beginn wollten sie einfach nur Countrysongs mit Souleinflüssen spielen, herausgekommen ist ein traumhaftes Folkalbum mit Blueseinschlag, überzogen von einem 80er Retrofilter.

Die Winter in Chicago können verdammt kalt und verdammt lang sein. Vor zwei Jahren fallen die Temperaturen unter -25 Grad, das öffentliche Leben erstarrt, niemand setzt mehr einen Fuß vor die Tür, wenn man nicht unbedingt muss. Und wenn, versucht man sich bestmöglich gegen die eisigen Winde und bitterkalten Schneestürme zu schützen. In einem Apartment am Logan Square sitzen - auch 2014 - zwei Mittzwanziger. Vom Leben gezeichnet - so martialisch das auch klingen mag - sitzen sie da, trinken Bier und Schnaps und sind gut versorgt mit ausreichend Fast Food. Damit müssen sie eine ganze Weile ihre warmen vier Wände nicht verlassen.

Die beiden Jungs sind die WG-Kumpanen Max Kakacek und Julian Ehrlich. Ein paar Monate zuvor löst sich ihre Band Smith Westerns auf. Zudem gehen die ersten ernsthaften Beziehungen der beiden fast zeitgleich in die Brüche. Nun sitzen sie also da und schreiben Songs. Die ungefähre Richtung: Country mit Souleinflüssen. Und weil sie absolut keine Ahnung haben, wohin die Reise damit so richtig gehen soll, fragen sie sich immer wieder: "What would Whitney do?!"

Whitney ist in diesem Fall die fiktive Muse der beiden Chicagoer. Ein Gedankenkonstrukt, aus deren Sicht das Duo seine Geschichten konstruiert. Der Eigenbrödler ist zwischen Mitte 40 und Mitte 50, lebt "in the Middle of Nowhere" und kommt halt so durchs Leben. Er braucht nicht viel, ist mit allem schnell zufrieden. Ein glücklicher Mensch. Es scheint so als hätten sich Max und Julian jemanden erschaffen, der genau das Gegenteil von ihnen selbst ist. Diese Gedankenspiele sind die Basis für die sommerlichen Folksongs von Whitney, bekleidet mit einem luftig-lockeren Retro-Filter.

Insgesamt sind Whitney zu siebt, allesamt Freunde aus dem überschäumenden Angebot fantastischer Musiker des Großraums Chicago. Diese musikalische Vielfalt hört man aber erst, wenn die Songs penibel in ihre Bestandteile zerlegt werden. Nummern wie "The Fallen", "No Matter Where We Go" oder "Polly" sind mit Bläsern, Keys, Drums und Gitarren randvoll gepackt. Die große Stärke der Band ist, es nicht so klingen zu lassen. Ihre Unaufgeregtheit, ihre Lässigkeit und ein großer Haufen Talent und Spielfreude sind Whitneys größtes Plus.  

"We're going to get famous as fuck", sagen die beiden gern in Interviews. Und fangen daraufhin lauthals an zu lachen. Diese Tiefenentspanntheit und Ironie ist es wohl, welche das Album zum bisherigen Jahreshighlight (zumindest des Autors) macht. Scheinbar mühelos schaffen es Whitney zeitlos schöne Folkperlen aneinander zu reihen. Ausfälle oder Lückenfüller: Fehlanzeige. Selbst das kleine, verspielte Instrumentalstück fügt sich nahtlos ins Konstrukt ein. Wenn eines sicher ist dann das: der Eigenbrödler Whitney - die fiktive Muse "in the Middle of Nowhere" - würde Whitney hören, ganz bestimmt. Wir tun das jetzt erstmal bis der Sommer sich wieder dem Ende neigt, mindestens.

"Light Upon The Lake" von Whitney erscheint am 03.06.2016 über Secretly Canadian.

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Videos

Polly

Whitney - Polly

Eines der Highlights auf "Light Upon The Lake" vom Debütalbum der Chicagoer Band Whitney hat jetzt endlich ein Video. Das ist handgezeichnet und wunderschön. Und ein bisschen traurig.

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