Smother

Wild Beasts - Smother

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Geküsst wird auch

Zeit für Zärtlichkeit: Auf ihrem dritten Album haben Wild Beasts eine Klang- und Bildsprache gefunden, die mit wenigen Mitteln Großes schafft. "Smother" ist ganz und gar feinfühliger Pop, ist reizvolle Kopfhörermusik mit einer Schwäche für Unterleibsfragen.

Sie schreiben und singen vom Sex. Sie tun es oft, sie tun es gern, sie tun es mal voller Poesie, mal singen sie von Schwänzen. Ging das zweite Wild-Beasts-Album "Two Dancers" noch textlich und musikalisch deutlich und direkt zur Sache, findet "Smother" sein Glück in einer sachten Zurückhaltung, in einer Intimität zwischen Tönen und Menschen, in vorsichtigen Fragen und in ewiger Hingabe. Geküsst wird natürlich auch, gerade deshalb.

Es sind kleine muskalische Gesten, die sich hier zur edlen Posen kombinieren. Klavier, Gitarre und Bass umspielen und ergänzen sich, bereichern jeden Moment mit einfachen Läufen, kontrollierten Melodien. Synthieflächen, die anderswo vielleicht alles ersaufen würden, hängen hier nur wolkengleich über der Musik, und auch das elektronische wie das Menschenschlagzeug begnügen sich mit kunstvollen, kleinen, hartnäckig sachten Beatfiguren.

Und mittendrin reichen sich Hayden Thorpes Falsett und Tom Flemings Nachtclubtimbre die Liebesschwüre und -klagen zu. Sie erinnern sich an Verflossene, besingen die Landliebe, erzählen von Demütigungen und Verletzungen, bieten sich an und fordern ein. All das geschieht so fein, in so kleinem Rahmen arrangiert, dass jeder schlichte Kitsch sofort in der Unmittelbarkeit zerrieben wird. Und wenn es dann doch mal - "take off your chemise and let me do as I please" - affig wird, ist man "Smother" entweder so verfallen, dass man das eben hinnimmt wie ein Liebeswort aus schlichtem Mund - oder man hat all das hier eh lange schon aufgegeben.

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