Leck mich am Arsch - Bäsle Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart - Leck mich am Arsch - Bäsle Briefe

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Der Mozart-Film "Amadeus" ist keine Übertreibung!

Ordinär? Anzüglich und derb? Ganz sicher! Der im Saft seiner Manneskraft stehende junge Mozart hat in seinen berühmten "Bäsle-Briefen" wahrlich kein Blatt vor den Mund genommen. Manche vermuten heute in ihm aufgrund dessen sogar einen Tourette-Kandidaten.

Da paßt es ins Bild, daß Mozart zu Beginn unseres Hörbeispiels erstmal aufs "Häusl" muß. Damit hatte die Adressatin, eine Augsburger Kusine (altdeutsch: Base - schwäbisch: Bäsle) Mozarts, offenbar kein Problem. Die vor phantasievollen Kraftausdrücken nur so strotzenden Briefe gehören jedenfalls zu den amüsantesten historischen Dokumenten ihrer Art in der Literatur. Mozart ist manchmal derart krass in seinen kreativ-zotigen Formulierungen, daß man selbst heute staunt.

Der Schreibstil des 21-jährigen Europareisenden ist mitunter ganz schön anspruchsvoll, weil er mehr den Gesetzen der Musik, als denen der Sprache verhaftet ist. Manchmal war es Mozart schlicht egal, ob sich hinter seinen Buchstaben ein tatsächliches Wort verbarg, oder ob er sich einfach nur assoziativ treiben ließ. Er rhythmisierte seine kleinen Erzählungen mit Wiederholungen und Analogiebildungen, arbeitete mit Stabreimen und Wortverdrehern und malte Sprachbilder von wilder Eloquenz. Sein Stil ist elliptisch, er scheint von Motiv zu Motiv zu springen, die Metaphern und Sprachebenen spielen mit den Implikationen ihrer Bedeutung. Da wird zum Beispiel Ernstes in flapsige Formulierungen verpackt, mancher Nonsens hingegen mit elaborierten Ausdrücken maskiert.

Leider sind keine Antworten der Kusine erhalten. Die Briefe jedenfalls entstanden zwischen dem 31. Oktober 1777 und dem 23. Oktober 1781. Inhaltlich sind sie prall gefüllt mit sarkastischen Beobachtungen der Menschen, denen Mozart begegnet, Kommentaren über seine Kompositionen, derbem Humor und allerlei Abstoßendem und Anzüglichem aus den Tabubereichen der Bürgerlichkeit. Prüderie, Kleingeistigkeit und die herrschenden Institutionen bekommen ihr Fett reichlich weg.

1 CD, ca. 75 Minuten

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