The xx / "I See You"

The xx - I See You

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The xx: Schmuser vom Dienst - die erste Wahl der Indie-Fans, wenn es besonders laid-back sein soll. Jamie xx: Chef über Knöpfe und Regler - solo deutlich angeknipster als im Trio. Was gefährlich nach Entfremdung klingt, entpuppt sich als segensreiche Entwicklung.

Dank eines überschwänglich gefeierten Debüts und einem von Fans eher verhalten aufgenommenen Nachfolger haben The xx in ihrer jungen Karriere schon alles durch, was Musiker in Sachen Jubel und Nörgelei über sich lesen können oder müssen. Das könnte einer der Gründe sein, warum sie das dritte Album mit maximaler Gelassenheit in Angriff nahmen - auch wenn sicher allen Beteiligten klar war, dass die Erwartungen von Fans und Presse kaum größer sein könnten.

Mit der Vorab-Single „On Hold“ sorgten sie für die erste gut kalkulierte Überraschung: Der gekonnt um Hall & Oates’ „I Can’t Go For That“ herum gestrickte Song versprüht - man muss das folgende Wort in einem Artikel über diese Band wirklich erst mal sacken lassen - Club-Atmosphäre.

Der Erfolg von Jamie Smith alias Jamie xx hatte auf das Ergebnis fraglos großen Einfluss. Die nach seinem Grammy-prämierten Solo-Ausflug nicht unrealistische Annahme, „I See You“ könne zur Producer-Werkschau geraten, erweist sich jedoch als falsch. Nach wie vor sind es in erster Linie die Stimmen von Romy Madley Croft und Oliver Sim, die der Band ihren einzigartigen Charakter verleihen und auch noch den kühlsten Beat in die gewohnt kuschelige Decke hüllen.

Ein Dance-Album ist „I See You“ also trotz der Öffnung in Richtung Floor nicht geworden. Diese Feststellung beinhaltet sowohl „leider“ als auch „zum Glück“, denn nicht nur die Band, sondern auch der Rezensent pendelt zwischen den Klängen. Der neue Schwung steht The xx ausgezeichnet, die zur Trademark gewordene beschauliche Melancholie beherrschen sie allerdings mit solcher Eleganz, dass man sich einfach nicht für eine Seite entscheiden mag.

Glücklicherweise muss man das nicht. Denn die Gegensätze, die weniger stilsichere Produzenten womöglich zu so etwas schrecklichem wie einem "Von allem Etwas"-Album verwurstet hätten, verwandeln Jamie Smith und sein Co-Producer Rodaidh MacDonald in ein höchst geschmeidiges Gesamtbild, das um diesen Fehler den größtmöglichen Bogen macht.

Spätestens beim Anblick der ebenso hilflosen wie anrührenden Versuche des Front-Duos Croft & Sim, ihrem Auftritt bei „Saturday Night Life“ durch so etwas ähnliches wie tanzen ein neues Element in ihre Bühnenpräsenz zu integrieren, erkennt man schnell: Party-People werden The xx in diesem Leben nicht mehr. Daran ändert auch das neue Album nichts. Doch die allzu große Schüchternheit scheint abgelegt, auch den ruhigeren Songs hört man das gewachsene Selbstbewusstsein der Band deutlich an.

Den Pop lassen die drei Londoner bei all den Experimenten keine Sekunde aus den Augen: jeder einzele Song hat das Zeug zum Hit ohne es allzu offensichtlich darauf anzulegen. Die Fanfaren zum Einstieg kann sich das Trio leisten: Achtung, hier kommt was Großes! „I See You“ ist nicht weniger als die Essenz des richtungweisenden Debüts, subtil modernisiert mit den Tricks eines inzwischen über sich hinausgewachsenen Produzenten.

The xx 2017 sind freier und mutiger, lassen sich nicht mehr so exakt vorausberechnen wie früher und bleiben trotzdem stets ganz bei sich. Never change a winning team, heißt es. Stimmt. Aber neu einkleiden und ein bisschen tanzen hat auch noch keinem geschadet.

"I See You"  erscheint am 13. Januar 2017 über Young Turks.

The xx – I See You Tour: 

12.02.17. Hamburg, Sporthalle
24.02.17. München, Zenith
25.02.17. Berlin, Arena (ausverkauft!)
26.02.17. Frankfurt, Jahrhunderthalle
28.02.17. Düsseldorf, Mitsubishi Electric Hall

Hier gibt es die Playlist, die The xx im Studio hörten und die das Album wohl maßgeblich beeinflusste.

Download & Stream: 

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