21.02.2008
Wie war’s denn eigentlich bei... Noch#II feat. Mouse On Mars?
Ein Avantgarde-Abend der Kunstmusik
Am vergangenen Samstag gab es im Studio der alten Akademie der Künste in Berlin einiges auf die Ohren: Eine Symbiose aus kunstvollem Krach, elektronischem Gefiepse und auskomponierter Freigeistigkeit.
Weiterempfehlen:
Im Studio der alten
AdK schwirrt hin und wieder ein Klavierton durch die neblig dichte Luft. Ja, hier wird Kunst gemacht! Kunst, die nicht für nervenschwache Ohren bestimmt ist, zumal in diesem Rahmen Avantgarde-Korriphäen und Elektroexperiment-Pioniere lautstark ihren durchkomponierten Entwurf neuer Musik präsentieren.
Noch #II ist die zweite Ausgabe eines öffentlich zugänglichen Versuchs, verschiedene Gattungen zeitgenössischer Musik zu dekonstruieren und neu aufzumischen. Kopf und Komponist des Ganzen ist
Michael Wertmüller, einer der virtuosesten wie auch bekanntesten Avantgarde-Jazz-Schlagzeuger der Gegenwart. Nicht minder kompromisslos behandeln seit Jahren Bassist Marino Pliakas und Pianist Ernst Surberg ihr jeweiliges Instrument und reiten damit genau auf Wertmüllers Wellenlänge. Ihr musikalisch-kunstvoller Grenzgang traf am Samstag auf Jan St. Werner und Andi Toma, also die Pioniere experimenteller Sounds und Elektronik-Musik namens
Mouse On Mars, die wie gewohnt ungewohnt filterten, alles verdrehten und Grobschlächtiges wie Feinteiliges ausformulierten.
Das zu einem Teil schwer begeisterte, zum anderen aber auch verstört flüchtende Publikum bekam eine technisch perfekte Performance geboten, die freigeistig klang, aber in sich Hand und Fuß hatte. Denn strukturiert wurde Lärm vom Notenblatt kredenzt, am Abgrund zum Unhörbaren getänzelt und Harmonisches bis ebenda ausgelotet. Das ist Kunst. Kompromisslos, unmissverständlich und für Nervenstarke.
Björn Bauermeister / Tonspion.de
Autor
Redaktion / Tonspion.de