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  • Streaming Anbieter im Vergleich
    SPECIAL 29.05.2012

    Streaming Anbieter im Vergleich

    Was können Spotify, Rdio, Simfy, Wimp und Co.?

    Streaming Dienste wie Spotify, Simfy oder Wimp mischen den deutschen Musikmarkt neu auf. Seit kurzer Zeit gibt es sogar die ersten offiziellen Streaming-Charts von media control. Wir stellen euch die Vor- und Nachteile des Musik-Streamings und die wichtigsten Anbieter vor.

    Streaming als Alternative zu Tauschbörsen

    Spotfiy hat mit seinem großen Erfolg in Skandinavien und Großbritannien die Tür zu einem neuen Geschäftsmodell für Musik weit aufgestoßen. Während die Piraten immer noch über die Legalisierung von Filesharing diskutieren, haben Spotify und Co. längst ein legales Filesharing-Modell auf dem Markt - und ein erfolgreiches dazu.

    Das Prinzip der meisten Musik-Streaming-Dienste ist sehr ähnlich: zum Testen gibt es ein kostenloses, meist werbefinanziertes Modell. Für Musikstreaming auf einem Gerät ohne Werbung zahlt man ca. 5 Euro und für unlimitierte Nutzung auf allen kompatiblen Devices (PC, Pad, Smartphone,...) werden  ca. 10 Euro pro Monat fällig. Die Premium-Pakete erlauben einem häufig sogar, ganze Alben herunterzuladen und auch offline zu hören, z.B. im Auto, wo man keinen guten Internetempfang hat. 

    Vorteile:

    - es ist einfach, sämtliche internetfähigen Geräte ständig synchron zu halten mit seinen Playlisten und gespeicherten Alben.

    - die Musik ist und bleibt in der "Cloud", man braucht keinen Festplattenspeicher mehr und kann trotzdem jederzeit und von überall auf seine Sammlung zugreifen und mit einem Klick erweitern.

    - das Repertoire der meisten Anbieter ist jetzt bereits riesig und umfasst  viele Millionen Alben, einschließlich aller Majorlabels. Nur wenige bekannte Bands (darunter die Beatles oder AC/DC) sind nach wie vor nicht auf Streaming-Services zu finden.

    Auf Spotify und Co. ist es außerdem möglich, seine Playlisten mit seinen Freunden auszutauschen, die ebenfalls über einen Account beim entsprechenden Anbieter verfügen. Diese können dann legal und ohne Probleme auf alle Songs, die man selbst gut findet, zugreifen. Facebook erleichtert den direkten Austasuch, denn Spotify hat eine exklusive Zusammenarbeit mit Facebook beschlossen. Deshalb wird man auch regelmäßig bei Facebook daran erinnert, welche Freunde bei Spotify sind und welche Songs sie gerade hören. Was allerdings auch unglaublich nerven kann, wenn man es nicht ausblendet.

    Und damit wären wir auch schon bei den Nachteilen.

    Die Nachteile: 

    - wer sich für einen bestimmten Streaming-Service entscheidet, sollte sich das vorher genau überlegen. Denn wer sich ein großes Musikarchiv anlegen möchte, verliert sämtliche Daten und Zugriffsrechte nach Kündigung des Abos. Heruntergeladene Alben können nur während der Vertragslaufzeit gespeichert werden. Danach sind sie weg. Bis man sich wieder anmeldet.

    - Songs können nicht einfach kopiert oder im Freundeskreis weitergegeben werden, sofern dieser nicht ebenfalls über einen Zugang beim gleichen Anbieter verfügt. Die Musik ist durch den Zugriff über die Apps kopiergeschützt und kann auch nicht auf CD gebrannt werden. 

    - Die Preisgestaltung und Bedingungen der Services können sich jederzeit und ohne große Vorwarnung ändern, so hat Spotify kürzlich seinen kostenlosen Zugang auf 10 Stunden pro Monat limitiert. Während eine gekaufte CD endgültig in den Besitz des Käufers übergeht, gehören die Songs auf Streaming-Services einem nie selbst, man erwirbt nur die limitierte Lizenz zur Nutzung. Wenn ein Streaminganbieter seinen Dienst einstellt, ist auch die Sammlung weg.

    Hoffnung für die Musikindustrie

    Die Musikbranche setzt große Hoffnungen auf das Musik-Streaming und schaut dabei auf die Erfahrungen in Skandinavien, wo Spotify und Wimp den Musikvertrieb ordentlich aufgemischt haben und weit verbreitet sind. In den USA gehört Rdio zu den führenden Streamingdiensten neben dem Streamingpionier Pandora.

    Die Rechnung auf der die Hoffnungen der Musikindustrie basieren ist einfach: durchschnittliche CD-Käufer geben um die 50 Euro für Musik pro Jahr aus. Der Streaming-Kunde gibt 10 Euro pro Monat, also 120 Euro pro Jahr für Musik aus. Das ist mehr als eine Verdopplung des Umsatzes, selbst wenn man davon ausginge, dass Streaming-User plötzlich gar keine Platten mehr kaufen. Die Plattenfirmen haben diese Chancen erkannt und geben ihren Katalog inzwischen fast allen wichtigen Anbietern gegen Zahlung einer nicht unerheblichen Gebühr frei. So soll der Wettbewerb angekurbelt werden, statt ihn - wie in der Vergangenheit so häufig - zu behindern. Zehn Jahre nach Napster hat sich auch in der Musikindustrie so einiges verändert. Allerdings rechnet sich das Modell für eine Plattenfirma mit einem großen Spektrum an Musik vermutlich sehr viel mehr als für ein kleines Indielabel oder den Künstler.

    Was bei den Künstlern ankommt

    Dass von den Flatrates momentan häufig noch nicht viel bei den Musikern ankommt (wir berichteten) liegt einerseits daran, dass die Services in Deutschland noch sehr neu sind und sich erstmal verbreiten müssen. Gerade mal 3 Prozent aller Internetnutzer in Deutschland nutzen bereits ein solches Angebot. Es ist davon auszugehen, dass das in einem Jahr schon ganz anders aussehen wird. Zudem war es auch früher nicht einfach, mit ein paar hundert verkauften CDs viel mehr als die Produktionskosten einzuspielen, insofern profitieren natürlich in erster Linie weiterhin eher die großen bekannten Acts mit Hits, die entsprechend häufig gehört werden.

    Die Einnahmen der diversen Anbieter werden nach Abzug der Kosten und Provisionen an die Labels und Künstler verteilt, abhängig davon, wie oft ein Titel gespielt wird. Der Stream eines Songs bringt dem Künstler am Ende umgerechnet ca. 0,1 Cent. Allerdings wird diese Summe ausgeschüttet, immer wenn Musik gehört wird, was bei einer CD nicht der Fall ist. Bei den Streaming-Diensten verdient man als Künstler also, wenn alles gut läuft und man sich eine große treue Fangemeinde erspielt, ein Leben lang - und könnte sich so über lange Zeit durchaus rechnen.

    Insofern muss man festhalten, dass die Modelle der Streaming-Anbieter grundsätzlich für alle Beteiligten fair sind: die Nutzer zahlen geringe Gebühren und haben die Freiheit jederzeit das zu hören was sie möchten. Ohne lange suchen und ohne für jeden einzelnen Song zahlen zu müssen. Die Musiker werden entlohnt und es wird eine neue Einnahmequelle erschlossen, die sehr lukrativ werden könnte, wenn sich die Dienste in der breiten Masse durchsetzen, selbst wenn man über den Verteilungsschlüssel immer streiten kann - und wird. Auch die  meisten Labels sind zufrieden, da sie eine neue Einnahmequelle dazu gewonnen haben und sich einige potente Anbieter um die beste Marktposition streiten. Seit diesem Jahr ist bereits eine Trendwende auf dem Musikmarkt festzustellen: Es wird erstmals seit vielen Jahren wieder mehr Geld mit Musik verdient.

    Die Qual der Wahl: Streaming, Download oder Tonträger?

    Vor allem für Menschen unter 30 hat die CD eigentlich sowieso kaum mehr eine Bedeutung, sie sind mit Musik aus dem Internet aufgewachsen, häufig mit Tauschbörsen. Für diese Musikfans ist es sehr einfach, zu den legalen Services zu wechseln, da sie viel bequemer zu nutzen sind und zudem kein Risiko besteht, von den Anwälten der Musikindustrie abgemahnt zu werden - was inzwischen auch eine nicht unerhebliche Einnahmequelle vieler Labels geworden ist.

    Ältere Musikfans und vor allem Sammler werden vermutlich auch weiterhin aufwendig gestaltete Tonträger ihrer Lieblingsbands bevorzugen. Oder sich Alben gezielt herunterladen, um sie dauerhaft archivieren zu können. Aber um schnell und einfach auf Musik zugreifen zu können, einfach mal in Alben reinzuhören oder neue Künstler kennenzulernen, scheint auch für diese Zielgruppe das Angebot der Streaming Dienste verlockend -  zumal die Kosten dafür überschaubar sind. Streaming ist für Musikfans also eher eine Ergänzung zum Download oder Tonträger, während für Durchschnittshörer der Komfort und die Einfachheit der Services entscheidend sein dürfte. Für diese ist es einfach eine Alternative zum Radio.

    Ob man nun Streaming Services verwendet und welchem der zahlreichen Anbieter man vertraut, ist reine Geschmackssache. Man sollte sich aber bewusst machen, dass in diesem schwer umkämpften Markt, in dem es kaum noch nennenswerte Unterschiede bei den einzelnen Anbietern gibt, vermutlich nicht mehr als zwei bis drei Anbieter langfristig überleben werden. Alle Dienste setzen derzeit auf schnelle Expansion in alle Länder, um sich dort gleich als Marktführer zu positionieren. Doch es ist davon auszugehen, dass unterlegene Angebote künftig nicht einfach eingestellt werden, sondern von einem Mitbewerber übernommen werden. Insofern hält sich das Risiko, dass einer der Anbieter einfach vom Netz geht, wohl im Rahmen.

    Hat die CD noch eine Zukunft?

    In der Konsequenz stellt sich allerdings auch die Frage, wie lange die Musikindustrie sich noch die Mühe macht, CDs herzustellen. Denn Musik aus Streaming Services kann man nicht ganz so einfach bei Tauschbörsen hochladen. Außerdem könnte sie mit dem Ende der CD die Musikkonsumenten in die neuen kostenpflichtigen Dienste zwingen. Ob es also den vergleichsweise teuren Silberling, wie wir ihn kennen, in fünf Jahren überhaupt noch geben wird? Wetten dürfen wohl bereits abgeschlossen werden.

    Und Tauschbörsen? Die wird es natürlich geben, so lange es das Internet gibt. Die Frage ist nur, ob sie für die Mehrheit der Musikhörer noch interessant sind, wenn es einfache, legale und günstige Angebote gibt. Denn mangelnde Alternativen zu Tauschbörsen waren bisher das größte Problem der Musikindustrie. Davon kann man nun eigentlich nicht mehr ernsthaft sprechen, wenn man sich das vielfältige Angebot anschaut. Jedenfalls wird angesichts dieser Entwicklungen die Forderung nach einer Legalisierung von Tauschbörsen bzw. die Einführung einer Kulturflatrate ganz schnell eine Utopie von gestern.

    Spotify

    Zu unserer Bestenliste: Die Musik-Streaming Dienste im Vergleich

    Udo Raaf Autor Udo Raaf / Tonspion.de

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