2007 wird das Jahr von MP3 [Umfrage]

Limewire, MySpace und Amazon starten MP3 Shops
Ein gutes neues Jahr steht allen Fans von MP3 Downloads offenbar bevor. Nachdem bereits der CD-Riese Amazon für 2007 die Eröffnung eines MP3-Shops angekündigt hat, will auch nun die Tauschbörse Limewire legal werden und dabei auf MP3 Downloads ohne DRM-Einschränkungen setzen.

Was die können, können wir schon lange. Zumindest gibt es im Tonspion seit Mitte 2005 einen Downloadshop, der seine Nutzer nicht mit lästigen Kopierschutzeinschränkungen gängelt. Doch nun sehen offenbar immer mehr Industriestrategen ein, dass das so genannte Digital Rights Management (DRM) den Nutzern das Leben unnötig schwer macht und so den Absatz von digitalen Downloads behindert. Denn wer möchte etwas kaufen, was ihm hinterher doch nicht so ganz gehören soll? DRM sorgt zum Beispiel dafür, dass man Downloads nur in begrenzter Zahl brennen oder kopieren kann und dass nicht alle MP3 Player mit dem vom jeweiligen Anbieter eingesetzten Format umgehen können.

All diese Einschränkungen soll es im Downloadshop von Amazon nicht geben, der im Frühjahr 2007 online gehen soll. Auch MySpace arbeitet derzeit an einem System zum Direktvertrieb von MP3 Downloads von seinen Künstlerprofilseiten. Und nun will auch noch die Tauschbörse Limewire ihr Angebot legalisieren und hat sich dafür das Musikindustrie-Schwergewicht Ted Cohen ins Boot geholt. Der soll seine Branchenkollegen vom Nutzen eines solchen Angebotes überzeugen.

Denn bisher dümpeln die meisten MP3-Shops nur deshalb vor sich hin, weil sich die Major-Industrie einem Verzicht auf DRM komplett verweigert. Und ohne die Major-Industrie kann man keinen Shop gewinnbringend führen. Denn nur wenige Musikspezialisten finden sich auch in einem Musikshop mit einem auf Indielabels reduzierten Sortiment zurecht. Schließlich wollen die meisten Musikhörer lediglich die aktuellen Hits aus den Charts schnell und unkompliziert herunterladen. Und die stammen meistens von den großen vier Major-Companies SonyBMG, EMI, Warner oder Universal.

Trotz ständiger Erfolgsmeldungen aus dem Hause Apple, wo die Zahl der Downloads im vergangenen Jahr stark anstieg, stehen die Absatzzahlen digitaler Downloads in keinem Vergleich zu den Downloadzahlen insgesamt. Nach wie vor werden die meisten Downloads auf Tauschbörsen, Musikblogs oder über private Verteiler in Umlauf gebracht. Auch schon deshalb scheint es fraglich, ob die späte Einsicht, auf DRM zu verzichten, nicht schon viel zu spät kommt. Denn längst spielt die Musik auf ganz anderen Kanälen, die sich der Musikindustrie weitgehend entziehen und auch kaum kontrollierbar erscheinen. Möglicherweise braucht es einige weitere Jahre, bis neue Geschäftsmodelle in Betracht gezogen werden, die den technologischen Möglichkeiten wirklich gerecht werden, ohne den Musikkonsum künstlich einschränken zu wollen. (ur)

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