40 Festivals in 40 Wochen: KaZantip

Mit Christine Neder auf Festivaltour um die Welt

Jedes Jahr pilgern Hunderttausende zu den großen Musikfestivals wie Melt! oder Fusion. Aber was genau macht den Reiz des Großereignisses "Festival" aus? Christine Neder ist dieser Frage nachgegangen. Sie ist durch die Welt gereist und hat 2012 40 verschiedene Festivals besucht. Heute haben wir einen Auszug aus ihrem Buch "40 Festivals in 40 Wochen". Sie gibt uns einen Einblick in ihr 29. Festival – KaZantip in der Ukraine.

Am Nachmittag treffe ich den Präsidenten der "Republik KaZantip". Nikita, der erste und einzige, kommt mit seiner persönlichen Assistentin und dem deutschen Außenminister Oleg. Der Präsident wählt sich einmal im Jahr selbst, um die totalitäre Diktatur zu gewährleisten. Die ganzen Freaks, die unten am Strand rumlaufen, hat er unter den Schutz des Kultusministeriums gesetzt, denn sie bereichern seinen Staat. Ich habe viele Fragen an Nikita.

Ich möchte wissen, wie all die Klischees entstehen, die ich über KaZantip gehört habe und die anscheinend nicht stimmen. Ich spreche die Regierung gleich auf das Vice-Video an, in dem man sieht, wie siebenjährige Kinder die Brüste von Frauen ablecken und wie Frauen ihren Unterleib am Strand im Sand kühlen. „Der Reporter hat damals viel Geld da gelassen, um genau diese Szenen zu bekommen. Die sind Fake. KaZantip ist nicht so“, erzählt mir der Außenminister. Das es nicht mehr so ist, sehe ich auch. Seit letztem Jahr kämpft die Regierung verstärkt gegen das Image dieser Videos an. Der letzte Außenminister vermarktete die Republik auch falsch und bot in Deutschland Sextouren nach KaZantip an, dem Land, in dem die osteuropäischen Frauen angeblich so leicht zu haben sind. Letztes Jahr wurde ihm sein Amt vom Präsidenten weggenommen.

Je länger ich mit der Regierung rede, je länger ich hier bin, desto mehr verstehe ich die Seele des Festivals, die Intention und was KaZantip für die Bürger der ehemaligen Sowjetunion wirklich bedeutet. Man wirbt für ein „Leben ohne Unterwäsche.“ Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass man nackt sein muss. Man kann die Unterwäsche auch gegen ein Bikinihöschen oder einen kleinen String eintauschen. Aber wenn man will, dann kann man nackt rumlaufen. Den ganzen Tag und die ganze Nacht. Wenn man will, kann man Sex haben. Den ganzen Tag und die ganze Nacht. Wenn man will, kann man Drogen nehmen. Wenn man will, kann man alles, aber manchmal will man vieles gar nicht, weil man es haben könnte. „Es ist schwer, die Welt zu ändern, aber es ist leicht, sich eine eigene kleine Welt zu schaffen.“ Mit diesem Satz beendet Präsident Nikita unser Interview.

Das Buch „40 Festivals in 40 Wochen“  von Christine Neder gibt es bei Amazon.

Mehr über Festivals findet ihr auf Christines Blog www.lilies-diary.com.

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