AllofMP3 bricht das Schweigen

Russischer Downloadanbieter will legal werden
Der russische Musikanbieter AllofMP3 hat sich gestern erstmals öffentlich zu den Vorwürfen geäußert, ein illegales Angebot zu betreiben. Man verteidigt sich in einem öffentlichen Schreiben damit, in Russland Lizenzabgaben zu entrichten. Gleichzeitig droht AllofMP3 mit Klagen wegen Rufschädigung.

AllofMP3 gehört inzwischen zu den weltweit meistgenutzten Downloadshops. Anders als bei Apple, Musicload und Co. kostet ein Song aber nicht 1 Euro oder mehr, sondern durchschnittlich gerade einmal 10 Cent. Möglich macht das ein Schlupfloch im russischen Urheberrecht. Das wurde zwar in den letzten Jahren an europäische Standards angepasst, doch die Bestimmungen zum Schutz digitaler Musikaufnahmen treten erst im Spätsommer diesen Jahres in Kraft. Bis dahin herrscht in Russland der digitale Wilde Westen.

Dieses Geschäftsgebahren wird von den westlichen Plattenfirmen und inzwischen auch von der Politik massiv kritisiert, denn Künstler und Plattenfirmen sehen keinen Cent von den erwirtschafteten Umsätzen. Jedoch scheint es momentan noch keine rechtliche Handhabe gegen das Angebot zu geben. In Deutschland hat die Vereinigung der Musikindustrie immerhin eine einstweilige Verfügung erwirkt, nach der Anleitungen und Links zum Angebot von AllofMP3 verboten sind.

Nun äußerten sich die Betreiber von AllofMP3 erstmals zu den Vorwürfen. In einer Pressemitteilung verteidigt man sich mit dem Hinweis, dass man das Angebot bereits seit sechs Jahren in Einklang mit russischem Recht betreibe. Zudem habe man nie im Ausland für das Angebot geworben. Man droht all jenen rechtliche Schritte an, die den Ruf von AllofMP3 mit falschen Behauptungen schädigten.

Gleichzeitig kündigt AllofMP3 an, dass man ab September 2006 im Rahmen der geänderten Gesetze arbeiten werde, also auch an ausländische Rechteinhaber Lizenzgebühren abführen werde. Dass AllofMP3 dann weiterhin so ein riesiges Musiksortiment wird anbieten können, darf allerdings bezweifelt werden. Es besteht wohl kaum Hoffnung, dass die globalen Musikkonzerne mit den Betreibern von AllofMP3 verhandeln werden. (ur)
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