Angeblich unveröffentlichter Song von David Bowie aufgetaucht

Der psychedelische Song "To Be Love" wurde 1970 in L.A. aufgenommen

Sensationeller Fund in einem Tonstudio in L.A. oder Fake? Ein Toningenieur hat angeblich ein frühes Demo von David Bowie aus dem Jahr 1970 veröffentlicht und verschenkt es nun als Free Download. 

"To Be Love" ist nach Angaben der Huffington Post die erste Demo, die David Bowie je in den USA aufnahm, wo er versuchte, nach dem Erfolg von "Space Oddity" Fuß zu fassen. Er nahm den Song mit Toningenieur Ron de Strulle auf, doch da Bowie schnell einen Major-Plattenvertrag von RCA angeboten bekam, verschwand der Song wieder in der Versenkung. Die Rechte der Aufnahme liegen angeblich bei de Strulle, der den Track nach dem Tod von Bowie nun den Fans schenkt. 

„Mein erster Eindruck von David war, dass er warm, offen und freundlich war und keine Starbehandlung brauchte, wie die meisten Künstler, die in unser Studio kamen. Er war sehr interessiert am Produktionsprozess und begeisterte sich für alles Kreative.“
(Ron de Strulle)

Die Geschichte klingt allerdings zu schön, um wahr zu sein. Song und Sänger klingen so gar nicht nach Bowie, eher nach einer Session auf einem LSD-Trip. Was in dieser Zeit nichts ungewöhnliches gewesen wäre. Die Rechtfertigung für diesen seltsamen, für Bowie eher untyptischen Sound klingt allerdings nachvollziehbar. 

„Er liebte John Lennon’s Stimmeffekte und George Martins Art und Weise mit diesen Halleffekten zu spielen. Er konnte jedes Instrument in die Hand nehmen und sofort alles darauf spielen. Pures Genie.“

Auch wenn das 70er-Jahre Fachblatt Rolling Stone und auch der britische NME diese märchenhafte Geschichte 1:1 so kolportieren, haben wir beim Hören der Demo massive Zweifel, ob dieser Song wirklich von Bowie sein kann, der damals schon zwei Alben veröffentlicht hatte oder ob die Huffington Post einfach nur mal wieder ein paar wilde Gerüchte ungeprüft in die Welt streut. Inzwischen hat sich der Sohn des Produzenten gemeldet und bestätigt, dass Bowie diesen Song nicht selbst eingesungen, aber Schlagzeug gespielt habe. 

Warum aber sollte ein begnadeter Sänger wie Bowie eine Demo einspielen und jemand anderes singen lassen? Und warum sollte irgendjemand einen bisher unveröffentlichten Bowie-Song ausgerechnet auf einer Gesundheits-Plattform veröffentlichen?

Die Autorin der Geschichte in der Huffington Post Dr. Laurie Nadel ist Psychotherapeutin, die Bücher über paranormale Phänomene veröffentlicht hat und Gründerin der Website, auf der dieser angebliche Bowie-Song nun angeboten wird. Für uns sieht das Ganze derzeit nicht wie eine Sensation, sondern wie ein ziemlich geschmackloser PR-Stunt aus. Und beweist einmal mehr: man darf nicht alles glauben, was im Internet steht.

Der Song "To Be Love" als kostenloser Download 

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