Apple Music: Apples Angriff auf den Streaming Markt

Droht ein "Game of Thrones" im Musikbusiness?

Am 8. Juni wird mit dem Launch von Beats Music als integrierter Teil von Apples Betriebssystem gerechnet. Und auch Googles "YouTube Music Key" buhlt um Abonnenten. Für andere Anbieter könnte es demnächst sehr ungemütlich werden.


Bild: Apple.com 

Als Apple vor ziemlich genau einem Jahr die Firma Beats Electronics für unglaubliche 3,2 Milliarden Dollar kaufte, ging ein Raunen durch die Branche. Noch nie hatte Apple so viel Geld ausgegeben, um ein Unternehmen zu kaufen. Beats Electronics produziert Kopfhörer, die dank Gründer und Aushängeschild Dr. Dre zwar in der Rap-Szene populär, aber in der Hifi-Welt äußerst umstritten sind. In vielen Kopfhörer-Tests kommen andere, deutlich billigere Produkte viel besser weg als die extrem basslastigen, auf Rap ausgerichteten Beats Kopfhörer. Und der hauseigene Streamingservice Beats Music kommt Schätzungen zufolge auf gerade einmal 300 000 Abonnenten. Für eine Firma wie Apple, die über 800 Millionen iTunes Nutzer weltweit erreichen kann, eine geradezu läppische Zahl.

Trotzdem schien Beats für Apple interessant genug, um so einen Batzen Geld auf den Tisch zu legen. Warum? Apple könnte problemlos selbst stylische Kopfhörer produzieren und auch innerhalb kürzester Zeit einen Streamingservice in iTunes integrieren. Vermutlich geht es aber um etwas ganz anderes. 

Beats Electronics wurde von Dr. Dre, einem der einflussreichsten HipHop-Produzenten und Jimmy Iovine, einem der mächtigsten Manager der Musikindustrie gegründet. Beide verfügen über ein prall gefülltes Telefonbuch mit allen wichtigen Namen in der Musikwelt. Eminem zum Beispiel. Dr. Dre produzierte alle seine Alben. Oder U2. Jimmy Iovine produzierte ihr "amerikanisches" Album "Rattle and Hum" und war anschließend auch ihr Labelmanager. Iovine verließ sein Label Interscope Records im Mai 2014 nach 25 Jahren und hat wie Dr. Dre sein Büro inzwischen bei Apple aufgeschlagen - und Bono als Berater von Apple gleich mitgebracht. Dieser Schritt zeigt klar, wer die  wahren "Majors" im Musikbusiness heute sind.

Da Apple zwar in Sachen Downloads die Nase ganz vorn hat, das Geschäft mit den Musikabos die Gewinne des iTunes Music Stores langsam bröckeln lässt, hat die Entwicklung des neuen Streamingdienstes für Apple nun allerhöchste Priorität. Die nahtlose Verknüpfung von Hardware, Software und Content ist das Ziel von Apple.

Die beiden Beats-Gründer könnten die dicksten Fische im Musikbusiness über Jahre hinweg an Apple binden, um exklusives Material ausschließlich über den neuen Streamingservice auszuspielen. Apple war noch nie zimperlich, seine Kunden mit geschlossenen Systemen zu konfrontieren. Und die Veröffentlichung des letzten U2-Albums "Songs Of Innocence" als kostenlose iTunes-"Beilage" war nur ein kleiner Vorgeschmack darauf, was da demnächst auf uns zukommt. 

Und so erscheint auch der überstürzte, ja fast unprofessionelle Launch von Tidal, dem neuen Streamingdienst von Jay-Z in einem ganz anderen Licht: Jay-Z musste Superstar-Kollegen wie Madonna, Rihanna, Drake, Kanye West oder Coldplay um sich scharen und zu Miteigentümern machen, um gegen die drohende Übermacht von Apple im Musikbusiness anzukämpfen.

 

Jay-Z Tidal
Jay-Z Tidal

Abb.: Jay-Z veröffentlicht exklusiv bei Tidal 

 

Doch die Chancen für Tidal als eigenständiges Angebot stehen trotz der prominenten Mitstreiter eher schlecht, schließlich ist Tidal letztlich abhängig von Apple, Google und Microsoft, um seine Apps auf die Smartphones der Kunden zu bringen. Nach Angaben der Sprecherin von Tidal ließ sich Apple sehr viel Zeit damit, Tidal im App Store freizuschalten und kassiert pro Tidal-Abo satte 30 Prozent Provision. Die wahren Gewinner des Streamings heißen also jetzt bereits Apple und Google. Und das obwohl Apple noch gar kein eigenes Angebot vorgelegt hat und Googles "Youtube Music Key" noch in der Beta-Testphase ist.

Jay-Z verfolgt mit Tidal die Strategie, sich als David im Kampf gegen Goliath zu stilisieren, einen Streamingdienst von Künstlern für Künstler zu vermarkten und sich damit bewusst gegen Apple, Google und Spotify zu positionieren. Um dann an den Meistbietenden zu verkaufen? Was wir in Kürze auf dem Streamingmarkt erleben, könnte sich also als wahres "Game of Thrones" herausstellen, bei dem mit allen Tricks vorgegangen wird, um den Thron auf dem Streamingmarkt zu erreichen. The winner takes it all.

Und das könnte sehr schmutzig werden - und einmal mehr auf Kosten der Musikfans und der unbekannteren Künstler gehen, die sich nicht über Vorkasse oder Firmenbeteiligungen finanzieren können. Bei diesem Spiel dreht sich wie bei der TV-Serie alles um die Könige, während das Fußvolk den jeweiligen Machtinteressen geopfert wird. Exklusivität heißt letztlich, dass Künstler, die bei Apple veröffentlichen, bei Spotify, YouTube oder Tidal nicht zu hören sind - und umgekehrt. Gut möglich, dass man demnächst fünf Abos gleichzeitig abschließen muss, um alle seine Lieblingskünstler unbeschränkt hören zu können.

Wer künftig Musik stresslos hören und sammeln will, muss sich vermutlich wieder aufs Platten oder Downloads kaufen verlagern und kann diesem Spektakel dann ganz gelassen von außen zusehen. Wir stellen schon mal das Popcorn bereit.

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