Apple Music: Der Missing Link

Warum Apple Music die Musikwelt tatsächlich retten könnte

Mit großem Tamtam hat Apple vor zwei Tagen seinen neuen Streamingdienst angekündigt. Der kann vieles, aber nicht viel mehr als die Konkurrenz. Doch eine ganz kleine Sache könnte am Ende für uns alle - Künstler wie Hörer - den ganz großen Unterschied machen.

 

Apple Music
Apple Music

 

All you need is 3 chords and the truth

Musik wird's immer geben. Irgendwo gibt es immer Talente, die geniale Songs schreiben, eine unglaubliche Stimme haben oder die feistesten Beats programmieren. Musik und Kunst ist erstmal kostenlos. Doch der Beruf des Musikers stirbt langsam aus und so bekommen wir viele dieser Talente nie zu hören, weil sie es gar nicht erst versuchen. Der Grund ist einfach: wer sich heute entscheidet, seinen Tag der Musik zu widmen, hat in der Regel kaum eine Chance, je damit Geld zu verdienen. Für die meisten ist das Musikmachen ein täglicher Überlebenskampf. Glücklich wer aus reichem Hause stammt und Musik als Hobby betreiben kann. Man braucht schon Eier oder muss vollkommen verrückt sein, um heute eine Karriere als Musiker oder Künstler anzustreben.

Die Künstler, die langfristig eine Karriere mit der Musik aufbauen können und damit auch Geld verdienen, teilsweise sogar sehr viel Geld, kann man an wenigen Fingern abzählen. Vermutlich ist ein Lottogewinn wahrscheinlicher, als den großen Durchbruch zu schaffen.

Portishead verdienen 2.300 Euro mit 34 Millionen Streams

Das Problem: zu wenig Menschen zahlen für Musik und wenn sie zahlen, dann immer für die gleichen Künstler. Die, die sowieso schon ein dickes Konto haben, weil sie jeder kennt, weil sie täglich im Radio laufen, also höchst massenkompatibel sind und letztlich ihre Musik nur noch "für den Markt" machen. Vor allem in Deutschland ist die Musikszene extrem angepasst und bieder, wenn man die Rap-Szene mal außen vor lässt. Alle wollen auf Nummer sicher gehen, alle müssen auf Nummer sicher gehen. Die Zeiten, in denen künstlerisch konsequente Bands wie die Einstürzenden Neubauten, Kraftwerk oder Can mit komplett unkommerzieller Musik eine Weltkarriere machen konnten sind vorbei. 

Künstler, die einfach eine gute kreative Idee haben und diese durchziehen, bleiben heute meistens auf der Strecke. Es dauert wahnsinnig lang, mit seiner Musik bekannt zu werden, wenn man nicht im Radio - oder besser noch: im Fernsehen - läuft. Und es ist auf Dauer sehr teuer und zeitlich aufwendig, Musik zu machen. Diese Künstler verdienen vielleicht ein bisschen Geld mit verkauften Platten oder Live-Auftritten, aber noch kaum etwas mit Streams. Zu wenige Menschen zahlen für Musik und deshalb befindet sich die Musikbranche seit 15 Jahren in der Dauerkrise und mit ihr die Künstler, Labels, Medien und alle, die mit und für Musik arbeiten.

Warum Apple Music die Musik retten kann

Bei der Präsentation von Apple Music wurde selbstverständlich viel heiße Luft produziert. Die Features, die Apple Music hat, sind von anderen Diensten längst bekannt. Die eigentliche Revolution ist ganz unscheinbar und wurde in einem Nebensatz abgehandelt: Der Kauf-Button.

Apple Music bietet nicht nur Streaming, sondern auch den guten alten Download. Und das ist eine echte Revolution, denn während Spotify versucht, seine Nutzer "in der Cloud" zu halten und möglichst viele Songs zu streamen, wird es Apple vollkommen gleichgültig sein, ob man streamt oder kauft. Hauptsache man zahlt! Wer nur mal reinhören möchte, kann bei Apple Music aus dem Vollen schöpfen und den gesamten Katalog und alle Playlisten jederzeit durchstöbern. Wer etwas entdeckt hat, was ihm besonders gut gefällt und was er langfristig besitzen möchte, klickt einfach auf den "Buy"-Button und hat den Song oder das Album in wenigen Sekunden in seiner Sammlung. Für immer!

Zwar kann man auch bei Spotify Musik speichern und sogar offline hören. Doch sobald man sein Abo kündigt und zu einem anderen Anbieter wechseln möchte ist alles verloren. Es ist als werfe man seine Plattensammlung in den Müll. Und das kann für keinen Musikfan ernsthaft eine Option sein. Außerdem ist man als Nutzer eines Streamingabos durch die ständige Verfügbarkeit von allem geneigt, gar nichts mehr zu sammeln. Ist ja alles da. Da rein, da raus.

Streaming ist im Grunde wie Radio, personalisiertes Radio ohne Gequatsche. Durch den Kauflink ermöglicht Apple seinen Nutzern nun, Songs sofort zu kaufen, in der gleichen App zu hören und langfristig zu sichern. Egal auf welchem Gerät und in welchem Format zu sammeln. Und wird so den Umsatz im Streaming mit dieser simplen, uralten Funktion vermutlich vervielfachen! Denn es sind eben nicht die durchschnittlichen Radiohörer, die die Streamingdienste jeden Tag benutzen. Oder die Musik kaufen. Es sind die Fans, die ohne Musik niemals leben könnten und die selbstverständlich lieber 10 Euro im Monat für ein Streamingabo zahlen, als für das Geld einmal mittelmäßig essen zu gehen. Und die werden die "Kauf"-Option bei iTunes vermutlich sehr gerne nutzen, vielleicht sogar mehr als jemals zuvor, einfach nur weil es sie gibt.

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