Apple Music: Indies rebellieren gegen Streamingdienst

Warum Indielabels ihre Kataloge nicht für Apples Streamingdienst lizenzieren wollen

Apple startet seinen neuen Streamingdienst Apple Music am 30. Juni 2015. Viele Indielabels wollen ihr Repertoire allerdings nicht lizenzieren. Und das hat einen guten Grund. 

Zwar verspricht sich jeder im Musikbusiness von Apple Music neue Impulse. Doch ein kleines Vertragsdetail sorgt für Unmut bei Labels und Künstlern. So will Apple den Labels für die dreimonatige kostenlose Testphase kein Geld zahlen. In anderen Worten: für alles, was die Nutzer des kostenlosen Accounts hören, bekommen Labels und Künstler keinen einzigen Cent von Apple bezahlt. Und finanzieren damit ungefragt den Verdrängungswettbewerb von Apple gegen seine Konkurrenten. 

Apple Music
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Der US-Indieverband A2IM empfiehlt seinen angeschlossenen Labels deshalb nun lieber abzuwarten und den Vertrag nicht voreilig zu unterschreiben. Schließlich sei es fragwürdig, warum Apple als eingeführte Marke überhaupt eine Testphase anbieten müsse.

Zahlreiche Indielabels, darunter auch Labels bekannter Künstler und Stars, werden deshalb zum Start von Apple Music wohl nicht im Streamingangebot zu finden sein.

Auch der deutsche Indieverband VUT kritisiert Apple für diese Vorgehensweise. Geschäftsführer Jörg Heidemann sagte Tonspion auf Nachfrage: "Apple hat natürlich riesiges Potenzial, Streaming endgültig im Mainstream ankommen zu lassen und neue Märkte zu erschließen. Apple verlangt aber im Wesentlichen, dass die Risiken, die sich durch den globalen Launch des Services ergeben, vom unabhängigen Musiksektor getragen werden und dieser auch die Neukundengewinnung finanziert. Das ist nicht fair!" 

Davon betroffen sind auch die Labels von Künstlern wie Adele, Arcade Fire, The xx oder FKA Twigs, mit der Apple aktuell für Apple Music wirbt. Ihr Label Beggars veröffentlichte ein Statement und kündigte an bis zu einer Einigung keine Musik für Apple frei zu geben, zeigte sich aber optimistisch, dass Apple noch vor dem Start eine Lösung vorschlagen werde, genauso wie für die drei Majors. 

"At the moment we do not have an agreement with Apple Music that would allow us to participate in the new service. However, we very much hope that the obstacles to agreement can be removed, for us and for independent Merlin-member labels as a whole, and that we will be able to fully support this potentially exciting new service in the coming days."

Auch Taylor Swifts Label Big Machine kündigte an, dass ihr aktuelles Album "1989", das inzwischen fast 10 Millionen Mal verkauft wurde, in nächster Zeit nirgendwo als Stream angeboten werde, auch nicht bei Apple. Und widerspricht damit der Darstellung von Apple, dass jedes Album aus dem iTunes Store auch im Streamingpaket zu haben sei.

Da zunächst vermutlich alle das kostenlose Angebot nutzen werden, möchten viele der betroffenen Labels nun zunächst abwarten, bis die ersten kostenlosen Abos ausgelaufen sind und erst dann ihre Kataloge für Apple Music freigeben. Gleichzeitig möchte man Druck auf Apple machen, denn natürlich braucht Apple auch die Indies, um gegen Spotify und andere Dienste konkurrieren zu können.  

Apple schüttet nach eigenen Angaben rund 73 Prozent aller Einnahmen aus dem Streaming an die Labels aus, insofern wird kaum ein Label dauerhaft außen vor bleiben wollen. Die Kataloge für den iTunes Downloadstore bleiben als wichtigste Einnahmequelle vieler Labels davon unberührt.

Bereits bei den Verhandlungen mit Google über das neue Streamingabo YouTube Music Key gab es laute Proteste von Seiten der Indielabels, denen Google einen nicht verhandelbaren Vertrag vorgelegt - und damit quasi erpresst hatte. Dieser Streit ist inzwischen beigelegt.

Apple Music: Der Missing Link

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