Apples Music Store im Praxistest

Eine Millionen kostenpflichtige Downloads in einer Woche konnte Apple mit seinem neuen Online-Musikangebot verbuchen. Von solchen Zahlen können andere Anbieter nur träumen. Doch was hat Apple, was Popfile & Co. nicht haben? Wir wollten es genau wissen und haben mal einen ersten Blick auf Apples Music Store geworfen.

Apple stellt ganz schön hohe Anforderungen an seine Kunden: Wer nicht aus den USA ist, kann gar nicht erst im neuen Music Store der Computerfirma einkaufen gehen. Zudem muss man einen Mac sein eigen nennen. Doch damit nicht genug: Zum Zugriff auf die Plattform ist die neueste Version der Musik-Software iTunes erforderlich, und für die braucht man wiederum OS X Jaguar. Mein ein bisschen in die Jahre gekommene iMac konnte deshalb nicht mit ins Rennen. Statt dessen musste ein neues iBook geborgt werden. Aber gut.

Nach einer leider nicht ganz reibungslos verlaufenen iTunes-Installation geht es mit einem Mausklick direkt zum Shop. Dort warten erst einmal Hinweise auf die meistgespielten CDs, exklusive Tracks, neue Veröffentlichungen und ähnliches. Die Charts wurden zum Test übrigens von U2 angeführt - offenbar ist die Zielgruppe doch ein bisschen älter als der durchschnittliche Plattenkäufer. Eminem mögen sie trotzdem.

Der Music Store lässt sich zudem über eine grobe, aber effektive Genre-Auswahl sowie eine Stichwortsuche durchforsten. Die in den einzelnen Kategorien gefeaturten "New Releases" sind nicht immer ganz so taufrisch - das Dirty Vegas-Debut und DJ Shadows Zweitling gibt`s im Plattenladen um die Ecke ja zumindest schon ein paar Monate. Dafür gibt es ein paar ganz geschmackvoll gestaltete Künstler-Specials. Überhaupt glänzt das Apple-Layout durch eine ruhige Hand. An Stelle von abgenutzten Web-Design-Effekten setzt man lieber auf Schwarzweiß-Fotos, gedämpfte Farben und angenehme Übersichtlichkeit.

Eine Single kostet bei Apple übrigens 99 Cents, ein ganzes Album 10 Dollar. Wer dann ein Album kaufen will, erlebt schnell eine unangenehme Überraschung. Viele Alben sind gar nicht vollständig in den Katalog aufgenommen worden. Manchmal fehlt ein Song, manchmal mehr als die Hälfte. Zudem gibt es eine ganze Reihe von Alben, die sich nicht als ganze Alben herunterladen lassen. Wer sie jedoch Titel für Titel auf seine Festplatte lädt, zahlt oft gut und gerne das doppelte.

Steht der Kaufwunsch dann fest, braucht es nur noch eine .Mac-Nutzerkennung. Ist die angelegt oder vorhanden, dann wandert das Album mit einem Mausklick auf die Festplatte. Dort kann es dann innerhalb von iTunes abgespielt und auch auf Audio-CDs gebrannt werden. Apple erlaubt es, Tracks beliebig oft zu brennen - allerdings nur zehn mal in der gleichen Reihenfolge. Auch das Brennen innerhalb von iTunes geht mit zwei, drei Mausklicks leicht von der Hand.

Insgesamt hinterlässt Apples Angebot einen verhalten positiven Eindruck. Tatsächlich geht hier vieles sehr einfach, und die Gestaltung ist angenehm augenfreundlich. Auch die Kopier- und Brenneinschränkungen fallen nicht so sehr ins Gewicht. Doch der Katalog ist bisher deutlich zu Major-lastig und weist selbst da noch große Lücken auf. Schließlich wäre es auch schön, wenn die erworbenen Tracks nicht nur so anonym auf der Festplatte landen würden, sondern sich mit Cover-Art oder Künstler-Websites verknüpfen ließen. Und ein Zugriff für Leute ohne modernstes, in den USA beheimatetes iBook wär auch nicht schlecht. (jr)

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