Auch Louisville Records macht dicht

Das Indielabel-Sterben geht weiter

Das Berliner Indielabel Louisville, das in den letzten sechs Jahren Künstler wie Maximilian Hecker, Kissogram, Navel oder Naked Lunch betreute, ist pleite. Damit verliert die Haupstadt ein weiteres rühriges Label und das Labelsterben geht unaufhaltsam weiter.

Patrick Wagner war Mitbegründer von kitty-yo, eines inzwischen auch geschlossenen Labels, das mit Peaches, Gonzales oder dem Jeans Team Anfang des Jahrtausends international für Aufsehen gesorgt hatte. Außerdem war er selbst mit seiner Band Surrogat lange aktiv als Musiker. Nach einem Streit trennte er sich von kitty-yo und ließ sich von Tim Renner als Talentscout bei Universal anheuern. Auch diese Zusammenarbeit endete mit der Entscheidung des Majorkonzerns, sich nur noch auf den Mainstream zu konzentrieren.

Im Jahr 2004 gründete Wagner mit seiner Frau Yvonne das Label Louisville Records. Von Anfang an tat sich das Label schwer auf die Füße zu kommen, fehlte doch der Support eines großen Majors sowie der kommerzielle Durchbruch eines Labelacts. Musikalisch stand der Querkopf Wagner schon immer für sperrige Musik, die nur selten die zum Überleben notwendigen Verkaufszahlen erzielt.

Seinem Frust über das verkorkste Musikgeschäft ließ der ehemalige Rocker desöfteren freien Lauf, etwa mit der Popkomm-Veranstaltung "Fuck You All!" oder mit einer Dissorgie auf sämtliche Labelkollegen und Medien auf der Louisville Homepage. So deutete sich das Ende von Louisville schon etwas länger an.

Erst kürzlich war auch der Indievertrieb MDM in die Insolvenz gegangen und es werden vermutlich weitere Labels folgen, die nicht mindestens einen international erfolgreichen Künstler im Repertoire haben. Grund für diese Entwicklung sind die weiter sinkenden Verkaufszahlen für Musik und ganz besonders bitter ist dabei die Tatsache, dass sich Lieschen Müller ihre Chartshits zwar noch brav kauft, aber die meisten Indiehörer die technischen Möglichkeiten sehr genau kennen und Musik viel zu häufig jenseits der Musikläden beziehen, so dass Künstler und Label am Ende leer ausgehen.

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