Austro Pop Special: Heißer Scheiß aus Österreich

Das Comeback der österreichischen Popmusik

In der österreichischen Musikszene rumort es seit einigen Jahren heftigst unter der Oberfläche. Und diese Entwicklung macht sich auch in unseren Charts bemerkbar. Wien ist das österreichische Pendant zur deutschen Musikhauptstadt Berlin. Wir stellen euch die spannendsten Acts der dortigen Szene vor:

Die Aushängeschilder

1. Bilderbuch

Wären Kanye West und Beyonce eine Person und sängen auf Deutsch, käme wahrscheinlich Bilderbuch dabei heraus. So sexy hat in dieser Sprache selten jemand performt. Der Glam-Funk-Pop-Rock ist hierzulande konkurrenzlos. Einer der vielen Gründe warum Maurice Ernst und seine Jünger nach ihrem neuestem sexy Album „Schick Schock“ weiter auf der Überholspur bleiben.

Musikalische Sexyness-auf Deutsch: Bilderbuch

2. Wanda

Sie singen mit Wiener Dialekt über Liebe. Über die schönen Zeiten, über die schweren Zeiten, und alles andere dazwischen. Ja sogar über gewollt körperlich-sexuelle Geschwisterliebe. Gerade rechtzeitig bevor man gewillt ist, sie in die irgendwas-wie-Schlager-Schublade abzulegen, kommt ein Gitarrensoli, das dich von den Socken haut. Eine Support-Tour mit Kraftklub und eine eigene ausverkaufte Headliner-Tour in Deutschland später steht nach Amore (2014) nun das zweite Album in den Startlöchern! Amore!

Selbst mit Lyrics über Inzest noch verblüffend charmant: Wanda

3. Ja, Panik

Libertatia! Freiheit! Der Name des aktuellen Albums spricht für die Herangehensweise der Band. Sie nehmen sich ihre Freiheiten, machen was und wie sie es wollen und denken dabei nicht zurück. Alte Zeiten sind Schall und Rauch bei einem der wichtigsten Musikexporte Österreichs. „The Taste And The Money“ katapultierte sie 2009 auf den Indie-Thron. Und jetzt, zwei Alben und ebenso viele Transfers (an den Keys bzw. Drums) später, sind sie noch immer genauso clever, wichtig und frei wie eh und je.

Im offiziellen Video gibts die Jungs nackisch in der Badewanne: Ja, Panik

4. Soap&Skin

Schwermütig, düster und fast schon ein wenig geheimnisvoll gibt sich Anja Plaschgl alias Soap&Skin. Das Debüt "Lovetune for Vacuum" erweckte die Szene (mal wieder) zum Leben. Der darauffolgenden Aufmerksamkeit folgte tiefe Trauer: Ihr Vater starb kurz nach dem Release. Diese ganze turbulente Zeit verarbeitet sie auf dem Nachfolger "Narrows".

Fühlt sich im Schatten sichtlich wohler als im Spotlight: Soap&Skin

Die Lokalhelden

5. Worried Man & Worried Boy

Der Vater: Eine Instanz der österreichischen Musikszene. Herbert Janata war Frontmann der Worried Men Skiffle Group in den 60er Jahren. Der Sohn: Teil der Kritikerlieblinge von Ja, Panik. Sebastian Janata rollt die Szene mit seinem Vater von hinten auf. Sie interpretieren die alten Klassiker, erarbeiten Neues, und sind damit wichtiger Bestandteil der Szene.

Aus alt mach neu: Worried Man & Worried Boy

6. Der Nino aus Wien

„Dort wo ich herkomme, hast du nur zwei Möglichkeiten: entweder du versuchst, etwas aus deinem Leben zu machen, oder du schnüffelst Klebstoff.“ Texte im Klebstoffrausch zimmern?! Kein Problem! Der Nino aus Österreich ist seit 2008 fleißig am veröffentlichen. Sechs Alben in sieben Jahren sind es mittlerweile. Unangepasst, eigenwillig, selbstbestimmt und authentisch ist der Folkveteran mit dem Bubigesicht seit Jahren im Business etabliert und geliebt.

Hört am besten nie wieder auf solche Hymnen zu schreiben: Der Nino aus Wien

7. Mile Me Deaf

Wolfgang Möstl ist ein Tausendsassa und seit … mal kurz rechnen … ach, schon ewig Teil der Ösi-Szene. Killed by 9V und Sex Jams sind nur zwei seiner unzähligen Projekte. Seit mehr als 10 Jahren existiert auch Mile Me Deaf bereits. Als Spielplatz für seine Lo-Fi Experimente gegründet balanciert Möstl stilvoll zwischen experimentellem Sound á lá Ariel Pink und Rock-Attitude. Noise-Lo-Fi-Psychedelic-Krautrock, dynamisch, energetisch und verflucht ansteckend. Aktuelles Album: „Eerie Bits of Future Trips“

Ein Rätsel warum das Projekt nicht bekannter ist: Mile Me Deaf

Die ewigen Geheimtipps

8. DAWA

Gitarre, Percussion, Cello und zwei Stimmen. Gute Musik kann so einfach sein. Einfache Musik kann so gut sein. Dawa sind Understatement, sind Pathos und Gefühl. Dabei klingen sie ziemlich international. Die aktuelle Platte „Psithurisma“ unterstreicht das eindrucksvoll und macht deutlich, dass es mal wieder Zeit ist, sich auf das Wesentliche in der Musik zu besinnen. Lyrische Tiefe, Geschichten erzählen die berühren, schnörkellos, ohne Umschweife oder Ausflüchte.

„Es gibt vieles, aber nichts das schon DAWA“: DAWA

9. M185

Seit 2005 tingeln die erst vier, jetzt fünf Wiener dürch die kleinen Clubs Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Auf den Gigs schellten ihnen millionenfach Lobhuldigungen absolut begeisterter Anhänger entgegen. Sie spielten sich den Arsch ab, erst mit einem Richtung Post-Rock tendierenden Mix. 2012 dann auch das erste öffentliche Aushängeschild. Sie gewinnen einen FM4 Award, aber auch danach bleiben sie auf der Stufe des Geheimtipps. Hype-resistent bleiben sie sich ihrem 90er Jahre Indie-Rock treu und scharen eine riesige Fangemeinde um sich. Mit ihrem „Soon“-Video letztes Jahr haben es dann auch die hiesigen Indiesender mitbekommen, was für überragende Mucke das Quintett abliefert. Noisey und FluxFM werden aufmerksam. Vielleicht ja jetzt auch endlich mal alle anderen! Aktuelles Album: „Everything Is Up“

Im Bandshop gibts übrigens das Verzerrer-Maskottchen aus dem Video: M185

10. Gin Ga

Gin Ga klingen viel mehr nach London und großer weiter Welt als nach Wien. Bereits seit 12 Jahren machen sie zusammen Popmusik und wissen, wie man schmissige Refrains und tolle Videos produziert, trotzdem lässt der große Durchbruch bislang noch auf sich warten. An ihrer Musik liegt das definitiv nicht.

Feel like Dancing: Gin Ga

Die Newcomer

11. Inner Tongue

Ein neuer Stern am Ösi-Himmel! Geheimnisvoll, elektronisch und wahnsinnig talentiert! Leichtfüßig spaziert Inner Tongue innerhalb der europäischen Electronica-Szene als hätte er nie was anderes gemacht. Es verbinden sich lässige James Blake'sche Beats mit einer spielerischen-warmen Harmonie und einer fragilen Stimme. Die Popwelt darf noch viel erwarten. Vielleicht kommt dann auch ans Licht, wer dieser talentierte Mensch überhaupt ist. Ja, Geheimniskrämerei ist selbst in Zeiten des Internets noch möglich. Diese Musik aber wird den meisten bald kein Geheimnis mehr sein.

Electronica Synth-Pop der besten Sorte: Inner Tongue

12. Lylit

Der Vergleich zu Adele drängt sich förmlich auf. Der Fame-Radar schlägt ununterbrochen aus. Man spürt förmlich, dass sie den Mainstream-Pop mit dieser Stimme im Sturm erobern wird. Mit Parov Stelar und Blumentopf stand sie zusammen auf der Bühne. Schnell war klar: Die Solokarriere muss her. Eine Schande würden unsere lieben Nachbarn uns dieses Talent vorenthalten. Die erste EP erscheint Ende Juni.

Und dann ist da diese Stimme: Lylit

13. Leyya

Weil das Beste bekanntlich immer am Schluss kommt, entlassen wir euch aus diesem Artikel mit einem Duo, das ihr besser heute als morgen kennen und lieben solltet. Sie waren einfach da. Die "Drowning In Youth" EP sorgte für ein mittelschweres Erdbeben in den Indie- und Collegecharts. Selbst bei iTunes enterten sie die TOP 30. Seit 22. Mai ist das Debütalbum "Spanish Disco" draußen. Beim Versuch den Stil der Band einzugrenzen ist Scheitern vorprogrammiert. Strukturen und gängige Songmuster werden einfach über Bord geworfen, stattdessen spielen Leyya mit Genres. Pop, Rock, Electronica, alles aufgebrochen und wieder neu zusammengesetzt. Diese Mischung macht sie im Moment einzigartig und verflucht gut!

Spannend - neu - aufregend - und absolut brillant: Leyya

Teil II: Heißer Scheiß aus der Schweiz

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