Beta-Test: Holtzbrinck startet Online-Musikdienst Steereo

Quietschbunt und farblos - Musikangebot soll StudiVZ aufwerten

Mit dem neuen Angebot Steereo möchte der Holtzbrinck Verlag künftig seine Plattformen MeinVZ, StudiVZ und SchuelerVZ mit Musik ausstatten. Der erste Eindruck ist ernüchternd.

Musik wird ja gerne mal genommen, um junge Zielgruppen anzulocken, für die Musik eine sehr wichtige Rolle im Leben spielt. Der Holtzbrinck-Konzern hat das als großes Manko bei seinen VZ-Angeboten ausgemacht und hat eine geschlossene Beta-Version seines neuen Musikangebots veröffentlicht.

Steereo ist ein webbasiertes Streaming-Angebot, das sich durch Werbung re-finanzieren soll. Für Reichweite ist also schonmal gesorgt, immerhin gehören die diversen VZ-Verzeichnisse zu den meistgeklickten Seiten in Deutschland. Aber auch Nicht-VZ-User sollen das Angebot nutzen können.

Die Startseite klingt dann gleich fordernd: "Alles was Du hören musst". Und das ist anscheinend ganz schön viel, denn die Seite sieht auf den ersten Klick völlig überladen aus, es werden sämtliche Farben des Regenbogens verwendet und entsprechend knallbunt erschlägt die Seite den Nutzer mit einer ebenso bunten Auflistung von irgendwelchen Chartsthemen (siehe Screenshot)

Merkwürdig auch die Rubriken: "Popgasm", "Legendaer"[!], "I Can Dance", "Kennst du Noch" und "Steereo Radio" heißen die. Per Klick auf die jeweiligen Rubriken wird man dann wahlweise auf irgendein x-beliebiges Charts- oder Oldie-Album verwiesen (z.B. Genesis - "I Can Dance"). Muss ich das wirklich hören? Wohl kaum! Hitparaden von gestern und vorgestern scheinen momentan der musikalische Schwerpunkt von Steereo zu sein, denn die aktuellen Alben von beispielsweise Sonic Youth oder Santigold kennt der Anbieter nicht.

Auch sonst scheint man nicht besonders ambitioniert mit dem Thema Musik umzugehen bei Holtzbrinck. Redaktionelle Inhalte? Fehlanzeige. Mal wieder müssen die informativen, aber drögen Wikipedia Lexikon-Einträge als Feigenblatt dafür dienen, dass man ganz offensichtlich keine Ahnung von Musik hat und sich damit auch gar nicht erst auseinandersetzen möchte. Die Schlagrichtung ist klar: Sollen die Leute doch hören was sie wollen und was eben auch sonst so im Radio rauf- und runterläuft. Hauptsache sie klicken und laufen nicht zu MySpace oder Last.FM über. Web 2.0 dient hier mal wieder als billige Ausrede dafür, keine eigenen Inhalte zu bieten, was eine völlige Beliebigkeit und Austauschbarkeit zur Folge hat. Schließlich stellen auch unzählige andere Anbieter Streams bereit.

Mit anderen Worten: Steereo ist in dieser Form unnötig wie das zweite "e" im Namen und optisch wie funktional im Vergleich zu Anbietern wie Last.FM, iLike und Co. geradezu ein Witz. Der eigentliche Witz an der Sache ist aber, dass das Angebot durch die enorme Reichweite seiner angebundenen Social Networks vermutlich sehr erfolgreich werden dürfte. Denn die Konkurrenz in diesem Bereich ist riesig und den Erfolg hat am Ende wer die meisten Hörer nachweisen kann. Welcher der diversen Streaming-Anbieter sich durchsetzen wird steht noch in den Sternen. Sicher ist nur, dass die Werbegelder nicht für alle Dienste reichen werden.

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