BGH: Provider müssen Daten von Tauschbörsennutzer heraus geben

Xavier Naidoo klagt sich erfolgreich durch die Instanzen

Während alle Welt derzeit über die GEMA diskutiert, traf der Bundesgerichtshof letzte Woche eine weitreichende Entscheidung, die auf nicht halb so viel Medienecho stieß. Demnach müssen Provider künftig die Adressen von Tauschbörsennutzern heraus geben, wenn die Rechteinhaber danach verlangen.

Die Plattenfirma von Xavier Naidoo hatte ein entsprechendes Verfahren bis zum BGH durchgefochten und in letzter Instanz Recht bekommen. Das Oberlandesgericht Köln hatte zuvor anders entschieden und setzte dafür eine Urheberrechtsverletzung im "gewerblichen Ausmaß" voraus. Diese Einschränkung wollte der BGH allerdings nicht gelten lassen, da sie dem Ziel des Gesetzes widerspreche, Rechtsverletzungen im Internet wirksam bekämpfen zu können. 

 Damit wird es künftig für Musiker, Labels und ihre Anwälte noch einfacher, Tauschbörsennutzer mit Abmahnungen zu belegen. Schon jetzt wird im großen Stil von Plattenfirmen und ihren Anwaltskanzleien abgemahnt. Jan Delay sprach in einem Beitrag auf seiner Facebook-Seite von einer Summe von über eine Milliarde Euro, die die Musikindustrie durch Abmahnungen von Tauschbörsennutzern erwirtschafte und kritisierte dieses Vorgehen massiv.

Künftig kann sich also kein Tauschbörsennutzer mehr sicher sein, dass die Provider ihre Kontaktdaten geheimhalten. Die Musikindustrie möchte Tauschbörsennutzer in legale, kostenpflichtige Angebote zwingen und davon gibt es inzwischen sehr viele. Wenn das nicht fruchtet, möchte sie zumindest an den Verstößen gegen das Urheberrecht mitverdienen. Es könnte sogar sein, dass dieses "Geschäft" wesentlich lukrativer ist, als das mit der Musik. 

Das Urteil des BGH im Detail

irights.info: Was tun im Fall einer Abmahnung?

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz. Folge uns auf Facebook:

▶ Du möchtest einen Beitrag bei Tonspion veröffentlichen? Schicke uns deine Idee!

Ähnliche News

BitTorrent Bundles: Musik über Filesharing verkaufen

BitTorrent Bundles: Musik über Filesharing verkaufen

Filesharing-Vertrieb bietet neue Freiheiten
Im letzten Jahr machte Thom Yorke mit einem außergewöhnlichen Vertriebsweg seines Soloalbums von sich reden: es war ausschließlich über den Filesharing Client BitTorrent erhältlich. Ab sofort steht dieser Vertriebsweg allen Musikern und Labels zur Verfügung. Wir zeigen, wie es geht.
Rapidshare stellt Betrieb ein

Rapidshare stellt Betrieb ein

Filehoster verabschiedet sich von seinen Nutzern
Der ehemals populäre Filehoster Rapidshare mit Sitz in der Schweiz ist am Ende. Die User bekamen eine Nachricht, dass man den Geschäftsbetrieb zum 31. März 2015 einstellen und alle Daten löschen werde. 
Cannapower: Die legale Tauschbörse?

Cannapower: Die legale Tauschbörse?

Ist canna.to wirklich legal?
Cannapower bzw. canna.to hat sich in den letzten Jahren zur beliebtesten Musik-Tauschbörse gemausert, bei der man die gesamte Musik aus den Charts finden kann. Doch ist der Dienst auch legal?
Musikmanager fordert Musik-Flatrate für 12,90 Euro

Musikmanager fordert Musik-Flatrate für 12,90 Euro

"Kein Gespenst bekämpfen, sondern ein Geschäft starten"
Der Musikmanager Tim Renner, früherer Chef von Universal Records und heute Betreiber von Motor Music, fordert im Rolling Stone den Verband der Musikindustrie auf, selbst eine Musikflatrate anzubieten. Der Verband bekämpft bisher alle Rufe nach einer Musikpauschale vehement.
Die freie Kultur ist gescheitert

Die freie Kultur ist gescheitert

Internetpionier kritisiert Entwicklung und fordert radikales Umdenken
Jaron Lanier ist einer der Pioniere des Internet und gehört zu den Erfindern des Begriffs "virtuelle Realität". Der Informatiker und Komponist kritisiert in seinem Buch "You are not a gadget" die Entwicklungen der letzten Jahre und fordert ein radikales Umdenken im Umgang mit dem Internet.

Empfehlungen