Billboard: Facebook plant kein Streamingabo

Warum Facebook sich gegen Gerüchte wehrt

Apple, Microsoft, Google: die großen Player in der digitalen Welt sind ins Streamingeschäft eingestiegen. Gerüchten zufolge plant auch Facebook ein Musikabo. Diese Gerüchte dementierte Facebook nun gegenüber Billboard. 

Mark Zuckerberg Foto: Facebook
Mark Zuckerberg Foto: Facebook

Facebook dürfte derzeit sehr aufmerksam verfolgen, wie sich die Giganten aus dem Silicon Valley ins Musikgeschäft stürzen. Seit gestern machten Meldungen die Runde, dass Facebook ein eigenes Streamingangebot auf den Markt bringen werde. 

Microsoft startet Streamingdienst "Groove"

Das dementierte Facebook gegenüber dem Branchenfachblatt Billboard umgehend. Auch ein Majorlabel zeigte sich überrascht über die Meldungen und bestätigte, dass man derzeit nicht mit Facebook über einen Streamingservice spreche. Offenbar hatte Facebook zwar Interesse gezeigt, verstärkt Musikvideos in seinen Service zu integrieren, aber nicht auf Basis eines kostenpflichtigen Abos. 

Das würde dem Kerngeschäft von Facebook auch komplett widersprechen: Facebook verdient Geld mit Werbung und ist damit sehr erfolgreich. Wollte man früher Akademiker und Entscheider erreichen, schaltete man Anzeigen in der Zeit oder im Spiegel. Facebook machte es möglich, dass Werbetreibende Zeit- und Spiegel-Leser direkt auf der eigenen Plattform erreichen können. Dem Like-Button sei Dank.

Wer früher für Musik werben wollte, schaltete eine Anzeige in einem Musikmagazin. Heute schalten Labels ihre Werbung auf Facebook und wählen als Zielgruppe Fans einer bestimmten Musikrichtung aus. Wer Tennisspieler erreichen wollte, schaltete Werbung im Tennis Magazin, heute erreicht man auf Facebook Menschen, die Tennis als Hobby angegeben haben - ohne in der Fach-Zeitschrift schalten zu müssen. 

Foto: Facebook
Foto: Facebook

Mit anderen Worten: Facebook ist gerade dabei, das gesamte Online-Werbegeschäft auf seine Plattform zu holen und den Content-Produzenten ihr Geschäft trockenzulegen. Offenbar hat man aber bei Facebook die Konsequenzen des eigenen Erfolgs inzwischen bemerkt und verhandelt nun mit Verlagen darüber, ihre Inhalte direkt auf Facebook publizieren und sie so an den Einnahmen aus dem florierenden Werbegeschäft zu beteiligen. Nur so kann Facebook langfristig gewährleisten, seinen Nutzern kostenlos gute Inhalte anzubieten und nicht nur Katzenbildchen oder endlose Shitstorms. Und die Verlage und Publisher brauchen dringend neue Wege, um ihre teuer bezahlten Inhalte zu refinanzieren. Viele finanzieren ihre Angebote auch heute noch komplett übers sterbende Printgeschäft. Vor allem Fach- und Nischenmagazine, die keine Millionen Leser erreichen, haben es zunehmend schwer im Internet gegen das omnipräsente Facebook zu bestehen.

Inhalte produziert Facebook allerdings keine und ist damit auch abhängig von denen, die gute Artikel, Fotos oder Videos liefern, die Facebook als Plattform überhaupt erst attraktiv machten. Für Nutzer muss das Angebot kostenlos sein und bleiben, denn ansonsten würde man das eigene Geschäftsmodell unterlaufen. 

Es gibt also viele gute Gründe, warum es künftig zwar verstärkt Musik und andere Inhalte direkt auf Facebook geben wird aber auch das dürfte eher ein werbefinanziertes Modell sein. Ein eigener kostenpflichtiger Abodienst dürfte für das Kerngeschäft von Facebook völlig uninteressant sein. Lieber nimmt man das Geld der Dienste, die sich in nächster Zeit einen erbitterten Kampf um Abonnenten liefern werden. In Form von gekaufter Reichweite auf Facebook.

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